CR vom 03.02.2012, Heft 02 , Seite 55

Backstage Nachgefragt bei Prof. -- Dr. -- Ulrich Preis

Kann-Hüting, Marie-José

Herr Professor Preis, jeder praktizierende Arbeitsrechtler kennt den "Preis" - warum ist das so?
Das liegt zum einen an der hohen gesellschaftspolitischen Relevanz des Arbeitsrechts. Zum anderen brauchen und nutzen Richter, Rechtsanwälte und Personalverantwortliche praxisrelevante Publikationen und Vorträge. Vielleicht schätzt man auch das abgewogene Urteil der traditionell bekannten Kölner Arbeitsrechtswissenschaft.
Wie entstand die sehr frühe Spezialisierung auf das Arbeits- und Sozialrecht?
Ich habe nach dem Abitur auf Anraten meines Vaters eine Banklehre gemacht - einen Rat, den ich übrigens auch meinem Sohn weitergegeben habe. Die dort gewonnene berufliche Erfahrung war sehr wichtig. Mein akademischer Lehrer Peter Hanau wirkte dann wie ein Katalysator für die Themengebiete. Familie und Freunde haben mitgeholfen, nicht im Elfenbeinturm zu vereinsamen und Bodenhaftung zu bewahren.
Unmittelbar nach der Wende haben Sie 1990 gefordert, das Arbeitsrecht der Bundesrepublik und der ehemaligen DDR müsse zusammengefasst werden in einer so genannten Kodifikation. Warum?
Das bundesdeutsche Individualarbeitsrecht ist ein kunstvoll geordnetes Chaos, das nur Spezialisten durchschauen. Schon im Jahre 1896 forderte der Reichstag "baldthunlichst" eine Kodifikation zu schaffen. Die DDR setzte dieses im real existierenden Sozialismus um. Das konnte natürlich nicht übernommen werden. Deshalb meine Forderung einer einheitlichen Kodifikation für das vereinte Deutschland in einer sozialen Marktwirtschaft. Selbst der Einigungsvertrag erkannte dies an. Ihr zusammen mit einem Kollegen vorgelegter Diskussionsentwurf eines Arbeitsvertragsgesetzes ist durch die Deutsche Gesellschaft für Gesetzgebung im Jahre 2007 mit dem 1. Preis ausgezeichnet worden. Freut Sie das?
Noch lieber wäre es uns, der Gesetzentwurf würde "baldthunlichst" umgesetzt und der Gesetzgeber würde - wie es auch im Steuerrecht notwendig ist - schlanke, klare Regelungen schaffen.
Bei Durchsicht Ihrer Vita könnte man den Eindruck haben, Sie seien das, was man einen "Workaholic" nennt. Ist der Eindruck richtig?
Natürlich steckt viel Arbeit hinter meinen Publikationen und Vorträgen. Wenn mich also etwas packt, bleibe ich dran. Besonders wertvoll ist die Beratung von Politik und betrieblicher Praxis. Dabei sind die Übergänge zwischen beruflichem und privatem Engagement fließend. Im Gespräch mit Freunden oder im ehrenamtlichen Einsatz für die Diakonie kann ich Kenntnisse und Erfahrungen aus meinem beruflichen Feld einbringen.
Gibt es dann überhaupt noch "richtige" Freizeit?
Dafür sorgt die Familie! Unsere vier inzwischen erwachsenen Kinder belohnen unseren epochalen Einsatz für das "erfolgreiche kleine Familienunternehmen" mit regem Kontakt zu uns, was uns sehr freut. Auch ein gutes Gespräch mit Freunden kann eine richtige Tankstelle sein.
Sie spielen auch in einer Band. Welche Musikrichtung bevorzugen Sie?
Wir sind eine "Cover-Band", die alles im Bereich Blues, Rock und Pop spielt, was uns Spaß macht. Das ist wie Eintauchen in eine andere Welt.
Wie lautet Ihre Lebensmaxime?
Die "Goldene Regel" des Christentums, die sich in vielen religiösen und philosophischen Ansätzen wiederfindet, kann schon eine gute Richtschnur sein: So, wie du behandelt werden möchtest, so behandle auch andere!
Was hilft Ihnen in besonders kritischen Situationen?
Gottvertrauen, ein reines Gewissen und das "Rheinische Grundgesetz": Et hätt noch emmer joot jejange.
Wer gehört zu Ihren Vorbildern?
Nelson Mandela gehört sicher zu den Persönlichkeiten, deren Leben mich stark beeindruckt. Sein Mut, sein Gerechtigkeitssinn, seine Konsequenz und vor allem sein Umgang mit der erlebten und erlittenen Geschichte - beispielsweise die Einrichtung einer "Wahrheitskommission" - das ist schon stark!
Welche Werte sind Ihnen wichtig?
Sachlichkeit und geistige Unabhängigkeit! Das ist im Arbeitsrecht eine wichtige Marke. Wenn ich Arbeitgebern zu "links" und den Gewerkschaften zu "rechts" bin, steigt die Gewissheit, richtig zu liegen.
Was raten Sie jungen Menschen, die Jura studieren wollen?
Jura sollte nur studieren, wer gut mit Sprache umgehen kann, logisches Denkvermögen und - besonders wichtig - soziale Kompetenz hat. Ohne politisches und gesellschaftliches Bewusstsein kann man kein "guter" Jurist werden.
Sie sind viel unterwegs. Gibt es etwas, das Sie überall hin begleitet?
Mein Wecker.
Die Fragen stellte Marie-José Kann-Hüting

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