CR vom 05.04.2012, Heft 04 , Seite 26

Darlehensverlängerung -- frühzeitig planen

Vetter, Michael

Wie im ersten Teil des Sprichwortes "Des Einen Freud' ist des Anderen Leid" dürften sich derzeit viele Betriebsverantwortliche fühlen, deren Zinsbindung bei Immobiliendarlehen in den kommenden Monaten ausläuft und verlängert werden muss. Während Geldanleger tatsächlich eher leiden und mit Minizinsen vorliebnehmen müssen, profitieren Darlehensnehmer von nach wie vor günstigen Kreditzinssätzen, die es bei bevorstehenden Verlängerungen - Prolongationen - auch für die Zukunft zu sichern gilt.
Eine solche Verlängerung sollte aber sorgfältig und vor allem rechtzeitig vorbereitet werden: Zur professionellen Planung, die je nach persönlichem Aufwand bereits etwa zwei Monate vor dem jeweiligen Verlängerungstermin beginnen sollte, gehört vor allem die realistische Einschätzung der eigenen zukünftigen finanziellen Lage und der damit verbundenen Höhe der späteren langfristigen Zins- und Tilgungsraten. Möglicherweise bietet sich bereits zum Ablauftermin der bevorstehenden Zinsbindung durch eine dann zur Verfügung stehende Liquiditätsreserve eine Teilrückzahlung des ausstehenden Darlehensbetrages an, so dass sich die Kapitalkosten, also die Zins- und Tilgungsraten, entsprechend verringern. Sowohl Banken als auch sonstige Kreditgeber wie Versicherungsunternehmen können die Auswirkungen unterschiedlicher Zins- und Tilgungsraten auf die zukünftige Kreditlaufzeit durch die Darstellung konkreter Berechnungsbeispiele problemlos aufzeigen.
Bisherigen Kreditgeber bevorzugen
Das gilt auch für unterschiedliche Restlaufzeiten des zu verlängernden Darlehens: Wenn der Kreditnehmer je nach Zinseinschätzung etwa an einer zukünftigen Laufzeitenaufteilung des Restdarlehens zwischen fünf und zehn Jahren und an den damit verbundenen unterschiedlichen Zinssätzen interessiert ist, sind auch diese finanziellen Auswirkungen durch übersichtliche Zins- und Tilgungspläne schnell erkennbar. Im Ergebnis können im Laufe der Jahre je nach Dauer der Zinsbindung und der Restlaufzeit des Darlehens durchaus fünfstellige Zinsbeträge eingespart werden.
Gebühren prüfen
Wenn keine persönlichen Überlegungen dagegen sprechen, sollte als erster Ansprechpartner zunächst der bisherige Kreditgeber um Angebote gebeten werden. Diese sollten rund vier bis sechs Wochen vor dem Verlängerungstermin in schriftlicher Form beim Kunden vorliegen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch ein verbindlicher Hinweis darauf, wie lange sich das Kreditinstitut daran gebunden fühlt. Gleichzeitig sollte die Zweit- oder Drittbankverbindung ebenso um Offerten gebeten werden wie weitere Kreditgeber, etwa Versicherer oder seriöse Internetanbieter. Diese Vorgehensweise war in der Vergangenheit nicht immer üblich, da sich Kreditnehmer häufig auf die Angebote des bisherigen Kreditgebers weitgehend verließen. In den derzeit schwierigen Zeiten vor allem bei Kreditvergaben ist eine solche Einseitigkeit aber nicht mehr zu empfehlen. Der Wettbewerb der Bankinstitute um Kreditnehmer mit einer guten Kreditwürdigkeit sollte seitens des Kunden professionell genutzt werden. Die mittlerweile deutlich erkennbaren Veränderungen im Verhalten der Finanzbranche lassen vermuten: Die bisherige Hausbankfunktion dürfte mittelfristig immer mehr in den Hintergrund geraten.
Kommt es vor allem auf Grund besserer Konditionen tatsächlich zu einem Wechsel des bisherigen Kreditgebers, sollten die damit verbundenen Kosten vom Darlehensnehmer natürlich sorgfältig und eingehend geprüft werden. Grund zur Sorge besteht aber in kaum einem Fall: Da meist nur eine Abtretung der zu Gunsten des bisherigen Kreditgebers als Sicherheit im Grundbuch eingetragenen Grundschuld an den neuen Gläubiger mit in der Regel relativ niedrigen Gebühren erfolgt, kann dieser Kostenfaktor häufig vernachlässigt werden. Immerhin erfolgt ein Wechsel regelmäßig zu günstigeren Zinssätzen, so dass die Kosten mehr als kompensiert werden sollten. Weitere Gebühren, etwa für die erneute Bonitätsprüfung des übernehmenden Kreditgebers, fallen üblicherweise nicht an. Aber um auch hier sicher zu gehen, sollte dieser Punkt in den Vorgesprächen geklärt - und die Zinsvorteile den jeweiligen Kosten gegenübergestellt werden.
Michael Vetter

Kurz erklärt Voraus- oder Forwarddarlehen
Diese Darlehensvariante ermöglicht es Kreditnehmern, sich bereits heute die derzeit günstigen Darlehenszinsen zu sichern - auch wenn der Verlängerungszeitpunkt ihres Kredites noch gar nicht unmittelbar bevorsteht. Gegen eine (in der Höhe verhandelbare) Gebühr von je nach Kreditgeber derzeit etwa 0,01 bis 0,05 Prozent pro Monat ist eine solche Zinsabsicherung über mehrere Jahre im Voraus möglich. Checkliste So gelingt der günstige Anschlusskredit
- Unternehmer und Betriebsinhaber sollten sich bereits beim Darlehensbeginn und zu jedem Verlängerungszeitpunkt den kommenden Ablauftermin der Zinsbindung notieren. Sie sollten sich also nicht ausschließlich auf eine mögliche Information ihres Kreditgebers verlassen, die möglicherweise erst relativ spät erfolgt und dann nur wenig Zeit für sorgfältige Vergleiche lässt.
- Etwa sechs bis acht Wochen vor dem Ablauftermin sollten Darlehensnehmer tätig werden und bei verschiedenen Kreditgebern einschließlich ihres derzeitigen Gläubigers Angebote einholen.
- Dabei sollte vor allem darauf geachtet werden, dass diese Angebote neben dem effektiven Jahreszinssatz auch sonstige Kosten ebenso enthalten wie die Restschuld zum Ablauf des geplanten Verlängerungszeitraumes.
- Kreditkunden sollten sich nicht scheuen, bei ihrem derzeitigen Kreditgeber konsequent nachzuverhandeln, wenn günstigere Offerten anderer Anbieter vorliegen. Erfahrungsgemäß verliert der bisherige Kreditgeber einen zuverlässigen Kunden wegen möglicherweise geringer Zinsunterschiede nicht gern an einen Mitbewerber.
- Wichtig ist auch die Höhe der zukünftigen Tilgungsraten und der damit verbundenen restlichen Darlehenslaufzeit. Es sollte daher geprüft werden, die Tilgungsraten zumindest in der bisherigen Höhe beizubehalten.

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