CR vom 02.11.2012, Heft 11 , Seite 3

Anleihen als Alternative

Schenk, Ingo

Die eigene Finanzierung auf eine breitere Basis stellen und sogar ein Stück mehr Unabhängigkeit von der Hausbank erringen - welchen Unternehmer würde das nicht reizen? Kein Wunder, dass sich auch immer mehr unserer Leser mit der Möglichkeit befassen, per Anleihe Fremdkapital direkt am Kapitalmarkt aufzunehmen. Das ist mit drei bis fünf Prozent vom Anleihevolumen zwar vergleichsweise teuer, verlangt nach einem Wertpapierprospekt für 200.000 Euro sowie, je nach Emissionsplatz, einem Unternehmensrating für weitere 30.000 Euro - doch sind dafür auch in der Regel keine Sach- oder Personalsicherheiten wie etwa eine Bürgschaft notwendig. Sechs Mittelständler entschlossen sich allein im September zu diesem Schritt, zehn weitere folgen in diesen Wochen. Drei Milliarden Euro wurden bislang auf diese Weise von Mittelständlern eingesammelt. Die Zeiten, in denen der Anleihemarkt den Großen vorbehalten war, sind seit 2010 vorbei.
Dass bei dieser Art von Kapitalbeschaffung den Investoren regelmäßiger Einblick ins Unternehmen gewährt sein muss, mag vielen Chefs nicht geheuer sein - zugleich ist dieses Plus an Transparenz aber auch sinnvoller Ansporn: "Indem wir uns nach außen messen lassen, bauen wir intern Druck auf, um den Erwartungen gerecht zu werden", bringt es Christian Weber auf den Punkt. Er ist Generalbevollmächtigter der Brauerei Karlsberg, deren fünfjährige 30-Millionen-Euro-Anleihe jüngst binnen zwei Stunden komplett vergriffen war - und das trotz des Coupons von 7,375 Prozent. Der Mangel an renditeträchtigen Anlage-Alternativen, so scheint es, spielt emissionswilligen Mittelständlern in die Hände - sofern sie ein stabiles, vorausschaubares und planbares Geschäftsmodell vorweisen können, das nicht abhängig ist von einzelnen Kunden oder einzelnen Regionen (mehr hierzu ab Seite 16). Auch das Rating ist bei selbstbewussten Emittenten weit mehr als nur notwendiges (Kosten- und Transparenz-) Übel: Mit einer guten Note lässt sich Lieferanten, Kreditversicherern und vor allem auch der Bank mit breiter Brust gegenübertreten (Seite 18) - mit Blick auf Basel III sicherlich von Vorteil.
Was Sie sonst noch unternehmen können, um Ihr Unternehmen fit zu machen für ein raueres Kreditklima, haben wir in unserem Doppel-Special "Finanzierung" und "Steuerstrategien" ab Seite 16 für Sie recherchiert. Mit dabei sind Beiträge zu effektivem Finanzmanagement (Seite 20), zu den Feinheiten der Exportfinanzierung (Seite 24), zur passenden Eigenkapitalquote und dem richtigen Entnahmeverhalten unter den kritischen Augen des Bankberaters (Seite 21) sowie zur bevorstehenden Umstellung auf SEPA (Seite 26). Beachten Sie auch unseren Termin-Tipp auf Seite 39 - denn Anleihen sind längst nicht die einzigen Alternativen!
Ingo Schenk
Chefredakteur

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