CR vom 02.11.2012, Heft 11 , Seite 9

"Done is better than perfect"

Die Bankbranche hat ein Imageproblem. Muss man jetzt zur Motivation der Kreditberater die Boni erst Recht erhöhen?
Wir haben eine Begeisterungs- und Leistungskultur, aber vor allem sind wir ehrbare Kaufleute. Wir verdienen uns das Vertrauen unserer Kunden. Das bringt den Erfolg. Und es sind nicht Gehalt und Bonus, die motivieren, es ist der eigene Erfolg.
Das klingt merkwürdig für einen Banker. Wie kommen Sie darauf, dass Ihre Mitarbeiter sich nicht durch Geld motivieren lassen?
Wir zahlen fair, marktkonform und transparent. Aber um die Motivation hoch zu halten, braucht es mehr. Was die Beschäftigten bewegt, diese Informationen erhalten wir aus regelmäßigen Online-Befragungen, aus freiwilligen Feedback-Gesprächen mit den Vorgesetzten, aus dem Mitarbeiter-Blog im Intranet und aus dem CEO-Frühstück, zu dem die Plätze ausgelost werden, weil sich so viele Mitarbeiter melden. Führungskräfte müssen zuhören. Ob über Social Media oder persönlich, die Anregungen und die Kritik müssen Folgen haben.
Wenn Mitarbeiter und Führungskräfte gelernt haben, miteinander zu reden, braucht es dann noch Personalmanager?
Für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit braucht es die richtige Mannschaft, und für die sorgt der Personalbereich. Schon im Bewerbungsgespräch wird deutlich, ob ein Kandidat Lust auf Verantwortung hat. Auch die Arbeitsorganisation und die Firmenkultur gestalten die Personalmanager durch ihre Sachkompetenz mit. Wir leben flache Hierarchien, so dass Mitarbeiter entscheiden können und müssen. Und wir haben klare Spielregeln zur Verantwortung installiert.
Sind hochmotivierte Einzelkämpfer bei Ihnen richtig?
Wir heißen nicht zufällig TeamBank. In der Arbeit sorgen wir für einen regen Austausch: zwischen erfahrenen und jungen Mitarbeitern, zwischen Frauen und Männern, zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Wir sagen wie Marc Zuckerberg: Done is better than perfect. Dabei kann der Weg zu Qualität und Erfolg bei verschiedenen Menschen unterschiedlich aussehen. Obwohl man nur als Vorbild eine positive Wirkung erzielt, will ich ja nicht geklont werden.
Die Fragen stellte Ruth Lemmer

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