CR vom 02.11.2012, Heft 11 , Seite 37

Mittelstand hat Ausland weiter fest im Blick

Dabei ließ sich der Ausbau des Auslandsengagements sowohl für Exportaktivitäten wie auch für Direktinvestitionen im Ausland nachweisen. So wollen 61 Prozent der befragten Mittelständler bis 2015 ihre Exporte ausweiten. Weitere sieben Prozent der Befragungsteilnehmer planen zukünftig erstmals Exportaktivitäten. Auch bei den Direktinvestitionen ist mit einer Intensivierung zu rechnen: 46 Prozent der Direktinvestoren planen, ihr Engagement bis 2015 auszuweiten, weitere 42 Prozent das gegenwärtige Niveau zu halten. Zudem wollen 15 Prozent der bislang noch nicht mit Direktinvestitionen im Ausland vertretenen Unternehmen diesen Schritt wagen.
3.600 Unternehmen befragt
Die Studie basiert auf einer schriftlich durchgeführten Umfrage unter Mitgliedsunternehmen des Verbandes der Vereine Creditreform. Die Befragung, im Rahmen derer über 28.000 Unternehmen angeschrieben wurden, fand im April 2012 statt. Insgesamt haben sich 3.600 Unternehmen beteiligt. Die Studie bietet aktuelle Erkenntnisse zur gegenwärtigen Lage sowie zur künftigen Entwicklung der Auslandsaktivitäten mittlerer und größerer deutscher Unternehmen. Neben den aktuell auslandsaktiven Unternehmen wurden ebenso Unternehmen berücksichtigt, die derzeit nicht (mehr) auslandsaktiv sind oder dies planen. Auf diese Weise ließen sich wertvolle Hinweise über Internationalisierungsmuster des deutschen Mittelstandes gewinnen.
Mittelstand international aufgestellt
Die Verflechtungen des größeren deutschen Mittelstandes mit dem Ausland sind stark. Derzeit sind zwei Drittel der mittelständischen Unternehmen (65 Prozent) im Export tätig. Allein ein Viertel des Jahresumsatzes (26 Prozent) der exportierenden Unternehmen wurde 2011 durch Exportumsätze erzielt. Dabei ist die Unternehmensgröße im Hinblick auf das Auslandsengagement maßgeblich: Größere Mittelständler sind wesentlich häufiger im Ausland aktiv. Bei den kleineren Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 5 Millionen Euro exportieren immerhin 43 Prozent der Betriebe. Schon über 70 Prozent aller befragten Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens zehn Millionen Euro erzielen Auslandsumsätze über Exporte. Dementsprechend zeigen sich auch mit der Unternehmensgröße kontinuierlich ansteigende Exportquoten. Hier spielen etwa Fixkostenvorteile, Effizienzvorteile und Spezialisierungsvorteile größerer Unternehmen eine entscheidende Rolle. Zudem könnten bei kleinen Unternehmen geringere finanzielle und personelle Ressourcen als Hindernis einer internationalen Geschäftstätigkeit relevant sein. Das Auslandsengagement über Exporte ist zum größten Teil langfristiger Natur. So sind von allen aktiven Exporteuren 96 Prozent seit mindestens zwei Jahren auf ausländischen Märkten aktiv. Vor allem das Verarbeitende Gewerbe (86 Prozent) und die Unternehmen des Großhandels (75 Prozent) sind im Export tätig.
Jeder fünfte Mittelständler ein Direktinvestor
Im Zusammenhang mit den Auslandsaktivitäten des Mittelstandes wird in der öffentlichen Diskussion zumeist der Export thematisiert. Dass deutsche Unternehmen zunehmend auch in Form von Direktinvestitionen im Ausland tätig sind, tritt oftmals in den Hintergrund. Von den befragten Mittelständlern haben 20 Prozent in der Vergangenheit Direktinvestitionen im Ausland getätigt. Insgesamt setzten diese Unternehmen zwischen 2007 und 2011 rund 18 Prozent ihrer gesamten Investitionen im Ausland ein. Wie bei den Exporten zeigt sich auch hier ein positiver Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und Auslandsengagement.
Step by step zum Global Player
Ein weiteres zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass deutsche Mittelständler die Risiken und Unsicherheiten einer Ausweitung ihrer Auslandsaktivitäten durch eine Strategie der kleinen Schritte meistern - sowohl geografisch als auch im Hinblick auf die Art der Auslandsaktivität. Scheuen Unternehmen Exportaktivitäten, sind auch spätere Direktinvestitionen unwahrscheinlich. Mittelständler erwerben durch Exporte Erfahrungen und bauen Wissen über Auslandsaktivitäten auf. Außerdem sind erfahrene Exporteure als Direktinvestoren erfolgreicher: Die Rückzugshäufigkeit ist bei Direktinvestoren, die im Export tätig sind, deutlich niedriger als bei Unternehmen, die ohne ausreichende Exporterfahrungen Auslandsmärkte mittels Direktinvestitionen erschließen. Zudem führt der Weg ins Ausland zunächst über Westeuropa: 92 Prozent der Exporteure sind in mindestens einem westeuropäischen Land präsent. 56 Prozent der Unternehmen mit Direktinvestitionen haben in einem oder mehreren westeuropäischen Ländern bereits investiert. Die im engeren europäischen Umfeld gesammelten Erfahrungen begünstigen Exportaktivitäten und dann in der Folge auch Direktinvestitionen in weiter entfernten Regionen.
Rechtsunsicherheit als zentrales Hemmnis
Bei der Frage, welche Hemmnisse Exporteure davon abhalten, ihr Exportgeschäft weiter auszubauen, stellt die fehlende Rechtssicherheit im Ausland das wichtigste Hemmnis für den Ausbau von Exportaktivitäten dar (39 Prozent). Weitere 36 Prozent der exportierenden Mittelständler sehen sich Problemen mit der Zahlungsmoral im Ausland gegenüber. Immerhin ein Drittel (34 Prozent) nennt den bürokratischen Aufwand bei der Durchführung von Exporten als Hemmnis bei der Expansion seiner Auslandsaktivitäten. Auch für Direktinvestoren ist die fehlende Rechtssicherheit im Ausland das wichtigste Hemmnis für den weiteren Ausbau der Investitionstätigkeit im Ausland. 43 Prozent der Unternehmen mit Direktinvestitionen sehen darin ein zentrales Hemmnis.
Finanzierungssituation stabil
Zwar sind Finanzierungsschwierigkeiten für jedes vierte Unternehmen ein zentrales Hemmnis beim weiteren Ausbau der Internationalisierungsaktivitäten, von Finanzierungsschwierigkeiten kann jedoch grundsätzlich nicht die Rede sein. Befragt nach der Entwicklung der Finanzierungssituation für Auslandsvorhaben in den zurückliegenden fünf Jahren, schätzt ungefähr die Hälfte der Exporteure (48 Prozent) wie auch der Direktinvestoren (53 Prozent) die aktuelle Finanzierungssituation für Auslandsvorhaben als unverändert ein. 15 Prozent der Exporteure beziehungsweise 22 Prozent der Direktinvestoren berichten sogar von einer Verbesserung der Finanzierungsbedingungen. Die Prognosen für die zukünftige Finanzierungssituation bei Auslandsprojekten fallen verhalten optimistisch aus.
17 Prozent der Exporteure und 23 Prozent der Direktinvestoren rechnen für die kommenden fünf Jahre mit einer Verbesserung der Finanzierungssituation. Jedoch zeigen sich die auslandsaktiven Mittelständler bezüglich der künftigen Finanzierungssituation auch teilweise etwas unsicher. Rund jedes dritte Exportunternehmen (34 Prozent) und jedes fünfte Unternehmen mit Direktinvestitionen (20 Prozent) traut sich derzeit keine Einschätzung zur Entwicklung der Finanzierungssituation in den nächsten fünf Jahren zu.

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