CR vom 02.11.2012, Heft 11 , Seite 40

Trotz stabiler Lage - Mittelstand sorgt sich

Die Konjunktur im deutschen Mittelstand beginnt sich abzukühlen. Nur noch 54,0 Prozent der Unternehmen bewerten die Geschäftslage der vergangenen sechs Monate mit "sehr gut" oder "gut". Im vergangenen Herbst lag dieser Anteil noch bei 60,5 Prozent. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Unternehmen, die von einer "mangelhaften" oder "ungenügenden" Lage sprechen, von 2,6 Prozent im Vorjahr auf 3,3 Prozent erhöht. Der Saldo der Geschäftsentwicklung notiert mit plus 50,7 Punkten unter dem Vorjahresstand von plus 57,9 Punkten.
Hinsichtlich der Geschäftserwartungen geben sich die Mittelständler zurückhaltender. So vergibt nur noch knapp die Hälfte der Befragten (48,1 Prozent) gute Noten für die zukünftige Geschäftslage. Im vergangenen Herbst war der Mittelstand noch deutlich positiver eingestellt (58,4 Prozent). Der Anteil der Unternehmen, die von einer Verschlechterung der Lage ausgehen, ist von 2,3 auf 4,0 Prozent gestiegen. Damit sinkt der Saldo der erwarteten Geschäftslage innerhalb eines Jahres von plus 56,1 auf plus 44,1 Punkte.
Die Auftragseingänge sind im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Konnten im Vorjahr noch 36,6 Prozent der befragten Betriebe ein Auftragsplus vermelden, sind es im Herbst 2012 nur noch 29,6 Prozent. Im gleichen Zeitraum hat sich der Anteil der Unternehmen, deren Auftragseingänge gesunken sind, von 12,1 Prozent im Vorjahr auf 18,9 Prozent erhöht. Folglich sinkt der Auftragssaldo von plus 24,5 Punkte im Vorjahr auf plus 10,7 Punkte. Und die Auftragslage wird sich in den kommenden Monaten noch stärker abschwächen: Nur noch 17,0 Prozent der Betriebe rechnen mit einem steigenden Auftragsvolumen (Vorjahr: 29,6 Prozent). Fast genauso viele (15,9 Prozent) der befragten Unternehmen gehen in naher Zukunft von sinkenden Auftragseingängen aus. Damit fällt der erwartete Auftragssaldenwert mit plus 1,1 Prozentpunkte nur noch knapp in den positiven Bereich, nachdem im Vorjahr noch ein Wert von plus 10,7 Prozentpunkte erreicht worden ist. Mit einer abflauenden Auftragslage haben sich auch die Umsätze im Mittelstand rückläufig entwickelt. Nur noch jedes dritte Unternehmen (32,5 Prozent) berichtet von gestiegenen Umsätzen, nachdem dies im vergangenen Herbst noch bei 40,7 Prozent der Unternehmen der Fall war. Und bei fast jedem fünften Unternehmen (18,3 Prozent, Vorjahr: 11,7 Prozent) sind die Umsätze im vergangenen halben Jahr gesunken.
Auch für die kommenden Monate ist keine Entspannung hinsichtlich der Umsatzentwicklung abzusehen. Jeder vierte Mittelständler (24,7 Prozent; Vorjahr: 28,7 Prozent) geht von einer steigenden Umsatzentwicklung aus. Mit sinkenden Umsatzeinnahmen rechnen 14,7 Prozent (Vorjahr: 11,3 Prozent). Damit fällt der erwartete Umsatzsaldo von plus 17,4 Prozentpunkten im Vorjahr auf plus 10,0 Prozentpunkte.
Es waren in den vergangenen Monaten auch immer weniger Unternehmen in der Lage, gegenüber ihren Kunden höhere Angebotspreise durchzusetzen. Jeder fünfte befragte Mittelständler meldete höhere Angebotspreise (21,2 Prozent) - im vergangenen Jahr war es noch jeder vierte (24,0 Prozent). Bei jedem zehnten Mittelständler (10,4 Prozent; Vorjahr: 6,7 Prozent) sind die Angebotspreise gesunken. Und auch hinsichtlich der künftigen Angebotspreisentwicklung sind die Aussichten gedämpft. Nur 14,2 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden Monaten mit steigenden (Vorjahr: 17,1 Prozent) und 7,3 Prozent (Vorjahr: 5,8 Prozent) mit sinkenden Angebotspreisen. Im Zusammenhang mit den verschlechterten Konjunkturindikatoren hat sich auch die Personalentwicklung im Mittelstand nach unten entwickelt. Nachdem im Herbst 2011 noch 34,2 Prozent der Unternehmen zu Neueinstellungen bereit gewesen sind, ist dies aktuell nur noch bei 26,7 Prozent der Befragten der Fall. Entsprechend hat sich der Anteil der Unternehmen, die ihren Personalbestand verkleinert haben, von 7,0 Prozent auf 10,4 Prozent vergrößert. Damit ist der Personalbestand per Saldo gewachsen (plus 16,3 Punkte), allerdings fällt der Beschäftigungsbeitrag des deutschen Mittelstands kleiner aus als im vergangenen Jahr.
Auch in den kommenden Monaten wird sich die Personalsituation nicht entspannen. Nur 15,6 Prozent (Vorjahr: 20,6 Prozent) der Betriebe planen, im nächsten halben Jahr neue Mitarbeiter einzustellen. Mit einer Reduktion der Mitarbeiterzahl kalkulieren 7,9 Prozent (Vorjahr: 6,0 Prozent) der Unternehmen.
Die Investitionsbereitschaft im deutschen Mittelstand lässt zwar im Vergleich zum Vorjahr (49,1 Prozent) nach, sie befindet sich mit 47,2 Prozent aber immer noch auf einem recht stabilen Niveau.
Ganz im Gegensatz zur Ertragslage: Von gestiegenen Erträgen berichten 23,4 Prozent der befragten Mittelständler - bei einem größeren Anteil (24,8 Prozent) sind die Erträge in den vergangenen Monaten gesunken. Damit fällt der Ertragssaldo mit minus 1,4 Prozentpunkten in den roten Bereich.
In den kommenden Monaten zeichnet sich zumindest eine leichte Entspannung der Ertragslage ab. Immerhin rechnen 27,3 Prozent (Vorjahr: 38,8 Prozent) der Unternehmen mit zunehmenden und 22,8 Prozent (Vorjahr: 13,5 Prozent) mit abnehmenden Ertragseinnahmen.
Das Eigenkapital im Mittelstand wird etwas knapper. Nahezu jeder dritte Betrieb (30,5 Prozent; Vorjahr: 29,9 Prozent) verfügt über eine niedrige Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent. Mit 27,1 Prozent fällt der Anteil der Unternehmen, die über eine solide Eigenkapitalquote von über 30 Prozent verfügen, etwas geringer aus als im Vorjahr mit 28,7 Prozent.

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