CR vom 02.11.2012, Heft 11 , Seite 55

Backstage Nachgefragt bei Dirk Krämer und Klaus Maas

Kann-Hüting, Marie-José

"Wer dieses Museum nicht mit einem Lächeln auf den Lippen verlässt, ist selber schuld", war in den Ruhrnachrichten zu lesen. Entspricht das Ihrer Intention?
Klaus Maas: Neben einem lebendigen Berufsleben suchen wir tatsächlich innere Ruhe, optische Erholung von der allgemeinen Bilderflut unserer täglichen Umgebung sowie Meditation und Einkehr zu sich selbst. Das wünschen wir auch den Museumsbesuchern.
Ihre Ausstellungsräume sind sehr atmosphärisch gestaltet. Wer von Ihnen ist dafür zuständig?
Dirk Krämer: Die eigentliche Museumsplanung hat unser Freund und Kunstsammler, der Schweizer Architekt Hans Rohr, zu verantworten. Alle behutsam bestückten Museumsräume sowie die für uns besonders wichtigen fließenden Übergänge von einem Raum in den anderen, haben wir gemeinsam entwickelt. Für die tatsächliche gestalterische Durchführung sorge ich dann.
Sie sammeln beide mit Lust, Leidenschaft und wahrscheinlich viel Herzblut. Entstehen dabei zwischen Ihnen manchmal Konflikte?
Klaus Maas: Keine Konflikte, jedoch kreative Auseinandersetzungen zwischen zwei sehr unterschiedlich tickenden Personen, die immer - ausnahmslos - in gemeinsame Entscheidungen münden.
In einer Presseveröffentlichung werden Sie als "Besessene" charakterisiert. Passt diese Bezeichnung?
Dirk Krämer: Einmal Sammler - immer Sammler, das zieht sich durch das ganze Leben und findet immer wieder neue Herausforderungen.
Ihre Sammlung stammt aus aller Herren Länder und auch Zeiten. Bedeutet das für Sie, häufig in der ganzen Welt unterwegs zu sein?
Klaus Maas: Lediglich in den regulären Urlaubszeiten sind wir vor allem in Asien unterwegs. Hier haben wir viele atmosphärische Anregungen erhalten. Darüber hinaus sind wir sehr fleißige und kritische Museumsbesucher, die kein Museum weltweit auslassen.
Und wer führt in dieser Zeit die Geschäfte Ihrer Unternehmen?
Klaus Maas: Ich führe mit meinem sieben Jahre älteren Bruder, er Techniker, ich Kaufmann, als Gesellschafter-Geschäftsführer die Unternehmensgruppe Maas (sieben baunahe Gesellschaften mit 400 Mitarbeitern) in der dritten Generation. Mittlerweile hat jedoch der Generationenwechsel stattgefunden. Nach über 100 Jahren Firmengeschichte haben zwei familienfremde Geschäftsführer das Tagesgeschäft übernommen, wir sind jedoch weiterhin unternehmerisch tätig und präsent.
Warum haben Sie sich gerade den Standort Duisburg für Ihr privates Museum ausgesucht?
Klaus Maas: Ich bin Duisburger und auf der anderen Rheinseite im mittlerweile eingemeindeten Homberg geboren. Schon meine Galerie Linie in Moers (1980 bis 1987) sollte zeitgenössische kulturelle Aspekte in die Provinz tragen. Seit Anfang der 90er-Jahre ist Duisburg unser Lebensmittelpunkt. Von Anfang an haben wir die Offenheit und Neugierde dieser geschundenen Industriestadt schätzen und lieben gelernt. Hier möchten wir gerne, zusammen mit dem LehmbruckMuseum und dem Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, ein vielseitiges kulturelles Fundament für die Kunst legen.
Welchen Grund gab es überhaupt für Sie, Ihre Privatsammlung öffentlich zugänglich zu machen?
Klaus Maas: Die Sammlung war längst dem häuslichen Rahmen entwachsen. Elf Jahre haben wir dann in der SchaufensterGalerie im Innenhafen "Installationen gesammelt", dann war der Zeitpunkt reif, die eigene Sammlung auf den Prüfstand zu stellen, selber zu sehen, ob der rote Faden, den wir im Inneren immer unterstellt haben, auch für die Öffentlichkeit sichtbar werden kann.
Haben Sie bei der Gründung Ihrer gemeinnützigen Stiftung an die im Grundgesetz verankerte Regel "Eigentum verpflichtet" gedacht?
Klaus Maas: Als Unternehmer in der dritten Generation spürt man, was man den Mitmenschen schuldet, wir hoffen, unsere Kinder denken später auch einmal so.
Warum ist Ihnen der Dialog zwischen alter und neuer Kunst so wichtig?
Dirk Krämer: Der ausschließliche Fokus auf die zeitgenössische Kunst verstellt den Blick auf das für uns letztendlich gültige und zeitlose Ergebnis: die Schönheit. Unter den Maßstäben der alten Kunst sieht man die Gegenwart viel gelassener und lernt zu unterscheiden.
Ihre Ausstellungsstücke, unter anderem von Richard Serra, Richard Long oder Ai Weiwei, sind weder durch Schrifttafeln noch durch einen Bestandskatalog identifizierbar. Welche Philosophie steckt dahinter?
Dirk Krämer: Wir erwarten von den Besuchern, dass sie sich zunächst auf den Raum und seine Atmosphäre einlassen. Wir betrachten ein Museum als Sehschule. Erst wenn uns der Raumeindruck gefangen nimmt, fangen wir an zu fragen, was oder wer ist das. So geben wir unseren Besuchern viele Hinweise in den ausliegenden Katalogen. Die neuen Medien in der musealen Vermittlung sind uns ein Gräuel! Sie unterstreichen nur noch den Unterhaltungswert, fordern aber nicht die eigene Fantasie und Wahrnehmung und machen die Besucher eher blind.
Mit "Kunst als Ruheoase" wurde ein Bericht über Ihr Museum betitelt. Nutzen die Besucher Ihr Haus so, dass sie "zur Ruhe kommen"? Nutzen Sie selbst es so?
Klaus Maas: Nicht umsonst haben wir der Dauerpräsentation den Titel "Linien stiller Schönheit" gegeben. Aus den Gästebucheintragungen vieler Besucher sprechen eben diese Erfahrungen. Am Ende eines Arbeitstages ist es für uns das Schönste, wenn wir - nachdem die letzten Besucher gegangen sind - sämtliche 51 Räume ein letztes Mal begehen und abschließen können. Das dauert zwischen 15 und 20 Minuten, danach sind auch wir vollends zur Ruhe gekommen.
"Am Ende des langen Rundgangs über fünf Etagen glaubt man zu schweben, wähnt sich in einer Sphäre der Geistigkeit ...", ist in der Rheinischen Post nachzulesen. Macht Sie diese positive Resonanz stolz?
Klaus Maas: Natürlich macht es uns stolz, wenn die Besucher so wie wir empfinden. Wir kennen zwar keine Schlangen vor der Museumskasse, begegnen jedoch immer wieder beseelten Besuchern, die die Sonderstellung des Museum DKM in der allgemeinen Museumslandschaft erkennen und schätzen.
Lebt die Leidenschaft für Kunst übrigens auch in Ihrem privaten Wohnumfeld weiter?
Dirk Krämer: Es ist für uns selbstverständlich, inmitten und mit unseren Sammlungsstücken zu leben. Aber unser eigentliches zu Hause ist das Museum.
Die Fragen stellte Marie-José Kann-Hüting

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