CR vom 03.12.2012, Heft 12 , Seite 3

Strategien gegen den Strompreis-Wahnsinn

Schenk, Ingo

Haben Sie daheim auch Post von Ihrem Stromversorger bekommen? "Nach derzeitigem Veröffentlichungsstand steigt die Umlage für Erneuerbare Energien von 3,592 Cent/kWh auf 5,277 Cent/kWh", schrieb mir meiner: "Ihr Arbeitspreis erhöht sich damit zum Jahreswechsel um 2,365 Cent/kWh." Gemeint ist die neue Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG - eine Art Ökostrom-Soli, der jedem Verbraucher, privat oder gewerblich, bei der Stromrechnung aufgeschlagen wird. Damit müssen Bürger und Firmen nächstes Jahr insgesamt mehr als 20 Milliarden Euro zur Förderung von erneuerbaren Energien ausgeben. Und dann kommen natürlich Stromsteuer, Kraft-Wärme-Kopplung-Umlage, Konzessionsabgabe und Mehrwertsteuer obendrauf. Dabei sind die Preise schon heute die zweithöchsten in Europa.
Während der ausufernde Strompreis für Verbraucherschützer eine soziale Frage ist, vergleichbar dem Brotpreis im alten Rom, stehen in der Wirtschaft Jobs und ganze Geschäftsmodelle auf dem Spiel. Ausgenommen von der Belastung sind bislang nur energie-intensive Betriebe, die im internationalen Wettbewerb stehen. Das ist auch dringend nötig, schließlich verbraucht unsere Industrie 46 Prozent des deutschen Stroms. Doch Erleichterung für die Großen hilft den mittelständischen Unternehmern wenig: Nach BDI-Angaben waren Stand Herbst gerade mal die größten 734 der mehr als 200.000 Industrieunternehmen vom Anstieg der EEG-Umlage befreit - stromintensive Rechenzentren etwa gehörten nicht dazu.
Kein Wunder, dass auch viele unserer Leser daher fordern, von teuren Prestige- und Großprojekten für erneuerbare Energien und den damit verbundenen ausufernden Netz- und Transportkosten so schnell wie möglich Abstand zu nehmen - und stattdessen Biomasse, Windkraftwerke, Fotovoltaik und Geothermie lieber dezentral zu nutzen. Deren systematische Weiterentwicklung würde die Betriebe nicht nur vor kostspieligen Umlagen bewahren, sondern könnte gar zu neuen Geschäftsfeldern und jeder Menge Innovationen im Mittelstand führen.
Doch auch heute schon können Unternehmen mit allerhand Maßnahmen gegensteuern: durch die richtige Auswahl des Energieträgers etwa, die Minimierung von energetischen Verlusten - und nicht zuletzt durch einen strukturierten Einkauf: "Selbst sehr gute Einkaufsabteilungen handeln nur einmal pro Jahr mit Energie", bedauert Peter Dächert, Partner bei Expense Reduction Analysts, in unserem Special "Nachhaltigkeit" ab Seite 12. Zudem könnten Betriebe den Spieß auch einfach umdrehen: Viele KMU verfügen etwa über Notstromaggregate - also kleine Kraftwerke. Warum nicht die einfach zu einem Gewinnträger umwandeln?
Weitere Tipps zum Energiesparen finden Sie in unserem Spezial-Heft "Energieeffizienz", das wir dieser letzten "Creditreform"-Ausgabe des alten Jahres beigelegt haben. Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Adventszeit und erholsame Feiertage - das neue Jahr wird sicherlich eine Herausforderung!
Ingo Schenk
Chefredakteur

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