CR vom 03.12.2012, Heft 12 , Seite 42

Zahlungsverhalten im Herbst 2012

Obwohl die deutsche Wirtschaft vor dem Hintergrund des eingetrübten weltwirtschaftlichen Umfelds und vor allem der europäischen Vertrauenskrise deutlich an Schwung verloren hat, kann von einer Verschlechterung des Zahlungsverhaltens im deutschen Unternehmenssektor bislang nicht die Rede sein.
Das vergleichsweise robuste Wirtschaftswachstum hat das Zahlungsverhalten in Deutschland überwiegend positiv beeinflusst, so dass der Aufwärtstrend der vergangenen drei Jahre weiter intakt ist. Die Umfrageergebnisse und auch die aktuellen Daten des Creditreform Debitorenregisters Deutschland (DRD) zeugen von verkürzten Forderungslaufzeiten, geringeren Zahlungsverzügen und einem dementsprechend reibungsloseren Zahlungsverkehr.
Der Rückgang des Creditreform DRD-Index im Frühjahr erweist sich somit als eine kleine Delle. Der DRD-Index steigt von 72,8 Punkten im Herbst 2011 auf aktuell 73,2 Punkte. Dies entspricht einem Plus von 0,4 Zählern innerhalb eines Jahres.Das Zahlungsverhalten der Kunden zählt zu den wichtigsten Einflussfaktoren für die Liquiditäts- und Finanzsituation mittelständischer Betriebe. Häufen sich nicht oder zu spät beglichene Rechnungen, kommen Betriebe ohne eine ausreichend starke Eigenkapitaldecke schnell in Liquiditätsnöte. Für manche bedeuten ausgefallene Forderungen sogar das Aus.
Mehr als jedes zweite der rund 4.000 von Creditreform befragten Unternehmen (53,6 Prozent) bewertet das Zahlungsverhalten der Kunden mit den Noten "gut" oder "sehr gut". Dies sind etwas weniger als vor einem Jahr, als sich noch 54,6 Prozent der befragten Betriebe zufrieden zeigten. Gleichzeitig sind 3,7 Prozent der befragten Unternehmen mit der Zahlungsmoral der Kundschaft überhaupt nicht zufrieden. Im vergangenen Jahr vergaben ebenso viele Betriebe die Noten "mangelhaft" und "ungenügend". Aus positiven und negativen Zahlungserfahrungen ergibt sich mit + 49,9 Punkten ein etwas niedrigerer Saldenwert als im Vorjahr (+ 50,9 Punkte).
Die Umfrageergebnisse signalisieren ferner, dass immer mehr Lieferanten und Kreditgeber ihr Geld innerhalb der üblichen Zahlungsfristen erhalten. So melden fast acht von zehn Befragten (79,0 Prozent), dass die Rechnungen nach spätestens 30 Tagen beglichen werden. Im Herbst des Vorjahres mussten sich die Betriebe noch etwas länger gedulden, bis die offenen Rechnungen bezahlt wurden: Damals verzeichneten 78,4 Prozent einen pünktlichen Zahlungseingang.
Da sich ein schleppendes Kundenzahlungsverhalten belastend auf die Liquiditätslage eines Unternehmens auswirken kann und Liquiditätsengpässe zu den häufigsten Insolvenzursachen zählen, wird neben den Beurteilungen der Unternehmen aus Umfragen das Creditreform Debitorenregister Deutschland (DRD) ausgewertet. Aus dieser Datenbasis, in der mehr als 83 Millionen einzelne Zahlungserfahrungen zu rund 2,2 Millionen Debitoren vorliegen, können verlässliche Rückschlüsse auf Entwicklungstendenzen beim Zahlungsverhalten und letztlich auf das Insolvenzrisiko gezogen werden. Im DRD-Pool werden regelmäßig Zahlungserfahrungen eingeliefert: Pro Monat kommen rund 4,5 Millionen neue offene Posten hinzu. Für die aktuelle Analyse wurden für den Zeitraum 01.07. - 30.09.2012 überfällige Rechnungen ab einem Wert von zehn Euro ausgewertet.
Auch die Analyse des Debitorenregisters deutet darauf hin, dass sich das Zahlungsverhalten in der deutschen Wirtschaft verbessert hat. Bis zur Begleichung einer Rechnung lassen die Unternehmen weniger Zeit vergehen als vor Jahresfrist. Diese Entwicklung deutet auf eine relativ stabile Finanzlage der Unternehmen hin. Im Durchschnitt bezahlen die Betriebe ihre überfälligen Rechnungen mit einem Zahlungsverzug von 12,33 Tagen und damit 0,41 Tage schneller als im Herbst 2011, als es noch 12,74 Tage waren.
Dennoch haben der Umfang und die Höhe der Forderungsausfälle binnen Jahresfrist wieder angezogen. Mussten 2011 noch 9,0 Prozent der befragten Betriebe nennenswerte Forderungsverluste in Höhe von mehr als einem Prozent ihres Jahresumsatzes hinnehmen, sind es in diesem Herbst 9,2 Prozent. Zur gleichen Zeit ging der Anteil der Unternehmen zurück, die in den letzten Monaten von uneinbringlichen Außenständen verschont geblieben sind - von 20,4 Prozent im Vorjahr auf aktuell 19,8 Prozent. Somit sinkt der Indikator für Forderungsverluste im Vergleich zum letzten Jahr von + 11,4 auf + 10,6 Punkte.
In den nächsten Monaten dürfte der positive Trend beim DRD-Index an Dynamik verlieren. Die Abwärtsrisiken für die deutsche Wirtschaft und folglich für das Zahlungsverhalten sind in der letzten Zeit beträchtlich gestiegen. Die merklich zurückgestuften Wachstumsaussichten für Deutschland sowie die schwelende Schuldenkrise werden die Liquiditätslage des Unternehmenssektors vor große Herausforderungen stellen. Mit mehr Überschreitungen der eingeräumten Zahlungsziele wird zu rechnen sein. Ein Hoffnungsschimmer besteht in der nach wie vor günstigen Finanzierungssituation für Unternehmenskredite (siehe KfW Kreditmarktausblick). Der Liquiditätszufluss aus dem Ausland und die allgemein niedrigen Zinsen wirken sich derzeit positiv auf den Zugang zu Fremdkapital aus.

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