CR vom 04.01.2013, Heft 01 , Seite 3

Zum Sommer wird's besser

Schenk, Ingo

Im neuen Jahr geht das wohl größte geldpolitische Experiment der Neuzeit fröhlich weiter: Mehr als 70 Prozent der G20-Staaten halten ihre Leitzinsen dauerhaft unter zwei Prozent, was diese real negativ werden lässt. Gleichzeitig schwellen die Bilanzen der Notenbanken mehr und mehr an. Und was hat diese lockere Geldpolitik gebracht? Sicher: Sie hat die Märkte beruhigt, Vertrauen stabilisiert und deflationäre Tendenzen erstickt, bislang zumindest. Doch was sie nicht erreicht hat, ist ein selbsttragender, synchroner Aufschwung. Stattdessen erleben wir einen Mini-Aufschwung nach dem anderen, dem ohne frische geldpolitische Maßnahmen rasch die Puste ausgeht. Wo aber versucht wird, staatlicherseits zu sparen, da lodert schnell die Rezession.
Auf "eher bescheidene Zuwächse" müssen auch wir uns wohl auf Dauer einstellen, sagt Dr. Andreas Bley, Leiter Volkswirtschaft/ Mittelstandspolitik beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) in Berlin. Im Rahmen unserer 13. "Creditreform"-Konjunkturumfrage zum Jahreswechsel haben wir ihn und andere Chefvolkswirte zu ihren BIP-, Zins- und Inflationserwartungen für das neue Jahr befragt (ab Seite 24). Flankierend hierzu finden Sie die Prognose der Creditreform-Wirtschaftsforschung ab Seite 37.
Um es kurz zu machen: So schlimm wird's nicht. Trotz Rezession in Südeuropa und noch immer ungelöster Schuldenkrise deuten immer mehr Indikatoren eine Erholung der internationalen Industriekonjunktur und des Welthandels an, spätestens zum Sommer. Selbst eine Fortsetzung des überstrapazierten Begriffs "Aufschwung XXL" kam in unserer Umfrage zur Sprache. Dann könnte sich auch die Investitionszurückhaltung der deutschen Firmen wieder lösen. In Europa werden die Sparprogramme zwar fortgesetzt, doch dürften sie die Konjunktur nicht mehr so stark belasten wie 2012. Und reine Finanzrisiken sind dank der Maßnahmen der EZB zurückgegangen. Ist das wohl geldpolitische Experiment also doch erfolgreich? Abzuwarten bleibt, wie sich das Finanzierungsumfeld entwickelt. Basel III lässt grüßen - auch wenn da das letzte Wort immer noch nicht gesprochen ist (mehr im Interview unter www.creditreform-magazin.de/heft). Eine Kreditklemme ist zwar nicht in Sicht, dafür weichen die Banken auf einen neuen Begriff aus: Kreditverengung.
Doch für Schwarzmalerei gibt es keinen Grund. "Der Mittelstand steht von den Bilanzkennzahlen her ganz anders da als noch vor zehn Jahren", versichert mir BVR-Chefvolkswirt Bley. Auch die Ertragskennziffern sind in Ordnung. Eher sorgen sich die befragten Ökonomen vor möglichen Fehlern und dem Zaudern überforderter Politiker. Dafür haben die Macher im Mittelstand meist nur ein Schulterzucken übrig. Sie stellen sich auf alle Eventualitäten ein, optimieren ihre Innenfinanzierung weiter und starten voller Selbstvertrauen ins neue Jahr. Diese Ausgabe möchte dabei helfen: Zum Sommer wird's besser!
Ingo Schenk
Chefredakteur

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