Wie es ist, ist es gut - aber bleibt es gut?
Die Befragung der Creditreform Wirtschaftsforschung zum Mittelstand interessiert sich besonders für die Erwartungen der kleinen und mittleren Betriebe. Dabei reicht der Erwartungshorizont bis ins späte Frühjahr 2013 hinein. Keine Frage: Auch die Erwartungen haben ein wenig gelitten. So hat der Anteil der Betriebe, die steigende Umsätze in 2013 erwarten, von 28,7 (2011) auf 24,7 Prozent abgenommen. Aber auch, wenn eine höhere Zahl von Betrieben sinkende Umsatzerwartungen hegt - ein noch größerer Block geht von weiterhin stabilen Umsätzen aus (59,3 Prozent). Am zuversichtlichsten zeigen sich die Dienstleister, während sich Handel und Bau - der in diesem Jahr noch einen markanten Aufwärtsschwung bewies - zurückhaltend äußerten. Drei Viertel der mittelständischen Betriebe wollen im nächsten Jahr ihre Personaldecke unverändert halten - der Mittelstand zeigt sich einmal mehr als Hort der Stabilität auch im Hinblick auf seine Personalpolitik.
Zur entscheidenden Messlatte für die Erwartungshaltung der Betriebe dürften die Einschätzungen zur Investitionsbereitschaft werden. Wie bereits angemerkt, fallen die Investitionen in Deutschland recht mager aus. Gerade der industrielle Bereich - er hat mit seinen Konzernen besonders die wachsende Zurückhaltung auf den großen Exportmärkten zu spüren bekommen - hält sich mit Investitionen zurück. Nicht nur bei den Arbeitsplätzen, sondern auch bei Investitionen könnte der Mittelstand so zum Rettungsanker der Binnenkonjunktur 2013 werden. KfW und ifo berichten von einer Stimmungsaufhellung im Hinblick auf die Erwartungen und die Zahlen zur Investitionsbereitschaft aus der Creditreform Befragung zeigen mit 47,2 Prozent positiver Voten durchaus ebenfalls ein gutes Bild. Auch wenn einzuräumen ist, dass auch hier ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr zu erkennen ist (2011: 49,1 Prozent Investitionswillige; 2012: 47,2 Prozent), stimmen diese Zahlen doch optimistisch für die Zukunft. Positiv: Das Verarbeitende Gewerbe, Handwerk und Industrie gleichermaßen, signalisiert zu 57 Prozent überdurchschnittliche Investitionsbereitschaft für das Jahr 2013.
Wer die Lage des Mittelstandes für 2013 prognostizieren will, wird sich auch der Finanzierungssituation für das nächste Jahr zu widmen haben. Einen genaueren Blick würden die Analysen der Bilanzen erlauben. Diese liegen aber für das abgeschlossene Jahr noch nicht in repräsentativer Zahl vor. So bleibt es bei der Befragung, die im Hinblick auf die zukünftige Ertragslage geradezu einen Einbruch verzeichnet. Waren es im Vorjahr noch 25,3 Punkte, die sich im Saldo aus steigenden und sinkenden Ertragserwartungen errechneten, so sind es in diesem Herbst bis in das Jahr 2013 hinein nur noch 4,5 Punkte. Die verschlechterte Ertragssituation wird nicht nur an den Möglichkeiten zu Investitionen zehren, sondern auch die Stabilität in Mitleidenschaft ziehen. Tatsächlich zeigt das Eigenkapitalpolster der Betriebe am aktuellen Rand zum Jahreswechsel eine (leichte) Verschlechterung: Die Zahl der KMU mit einer unzureichenden Eigenkapitalausstattung von unter zehn Prozent (bezogen auf die gesamte Bilanzsumme) hat leicht von 29,9 auf 30,5 Prozent zugelegt. Auf der anderen Seite haben die Mittelständler mit solider Eigenkapitalfinanzierung von über 30 Prozent von 28,7 auf 27,1 Prozent abgenommen. Dabei ist allerdings anzumerken, dass die Eigenkapitalsituation der Unternehmen sich in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert hat. 2002 waren es nur 16,6 Prozent der Unternehmen, die eine satte Eigenkapitalausstattung von über 30 Prozent vorzuweisen hatten - nun sind es elf Prozentpunkte mehr.
Liquidität bleibt Trumpf
Einen weiteren Markstein der Finanzierung bildet das Working-Capital-Management. Dabei hat sich das Zahlungsverhalten der Kunden gebessert. Rund die Hälfte aller Befragten geben dem Zahlungsverhalten die Noten gut oder sehr gut. Gleichzeitig sind 3,7 Prozent der Unternehmen mit der Zahlungsmoral der Kundschaft überhaupt nicht zufrieden. Immerhin: Bei der Begleichung einer Rechnung lassen die Unternehmen sich weniger Zeit als 2011. Überfällige Rechnungen zählen gegen Ende 2012 12,3 Tage Verzug - im Vorjahr waren es 12,7 Tage. Im Zuge der leichten Verschlechterung der Konjunktur im ersten Halbjahr 2013 wird es auch zu einer - ebenso leichten - Abflachung bei den Faktoren für das Liquiditätsmanagement kommen. Der Zahlungsverzug wird sich etwas ausweiten - von den bislang durchschnittlich 12,3 Tagen werden wir in den kommenden Monaten wohl auf 13 Tage Zahlungsverzug steigen. Eine ähnliche Tendenz ist für die Forderungsausfälle 2013 zu erwarten. Hier dürfte sich der Anteil der Unternehmen mit spürbaren Forderungsausfällen von 9,2 Prozent (2012) auf rund zehn Prozent im Jahr 2013 erhöhen ("spürbare Ausfälle" ist ein Wert in Höhe von rund einem Prozent Ausfall des Umsatzes).
Insolvenz-Welle bleibt aus
Im Zuge der guten Konjunktur 2012 hat sich auch das Geschehen bei den Unternehmensinsolvenzen abgeflacht. Mit 29.500 Betroffenen liegt man 2012 um 2,1 Prozent unter dem Vorjahr. Für dieses Jahr erwartet Creditreform einen nur leichten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen auf rund 30.500 Fälle. Dieser nur hauchdünne Zugang bei den Unternehmensinsolvenzen ist 2013 aber nicht nur der immer noch positiven Konjunktur, sondern auch der weiterhin guten Situation bei der Finanzierung der Betriebe zu verdanken. Neben der stabilen Lage bei Eigenkapital und Forderungsmanagement ist es auch der zu erwartende leichte Zugang zur Fremdfinanzierung, der die Betriebe auf der sicheren Seite hält. Die "Kredithürde" für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands, wie sie das ifo-Institut monatlich erstellt, zeigte im November bei minimaler Steigerung im Grunde seit einem Jahr eine Seitwärtsbewegung. Laut ifo fürchten 21,6 Prozent der Unternehmen Restriktionen bei der Kreditvergabe der Banken. Gegenüber 2009 und 2010, als über 40 Prozent der gewerblichen Wirtschaft von Zurückhaltung bei der Kreditvergabe sprachen, ergibt sich hier für das Jahr 2012 keine weitere Verschlechterung. Im Zusammenhang mit den wohl weiter niedrigen Zinsen können sich die Betriebe durchaus komfortabel finanzieren. Fazit: Trotz einer Abschwächung der Konjunktur in den ersten sechs Monaten des Jahres 2013 stehen die Konjunktursignale in Deutschland weiterhin auf grün. Der Arbeitsmarkt, die Umsätze und die Erträge der Unternehmen sowie die psychologischen Faktoren um Motivation und Geschäftsklima werden Deutschland auch 2013 zur Konjunkturlokomotive Europas machen. Die Finanzierungssituation wird nicht bröckeln. Auf der Basis einer sicheren Innenfinanzierung wird auch der Zugang zu Krediten - und wohl auch zum Kapitalmarkt - 2013 günstig bleiben. Die Insolvenzen werden etwa auf dem Niveau des Vorjahres stehen.
Das positive Bild für die Konjunktur und Finanzierung 2013 lässt sich allerdings nur halten, wenn das Damoklesschwert der Euro-Krise nicht niedersaust. Ein Einbruch im Finanzsystem hätte unabsehbare Folgen für die wirtschaftliche Lage und die Überlebenskraft der Unternehmen. Alle anderen "Kassandra-Rufe" im Zusammenhang mit der Fiskalklippe in den USA, den Eintrübungen überseeischer Exportmärkte oder die Probleme im Energiesektor sind demgegenüber marginal. Setzen wir also darauf, dass es auch in diesem Jahr gelingt, den Euro und die Währungsunion zu vertretbaren Preisen zusammenzuhalten, damit dieser Ausblick sich zum Jahresende 2013 als richtig erweist.












