CR vom 04.01.2013, Heft 01 , Seite 41

Nicht nur "Schleckermänner" betroffen

Im Brennpunkt standen namhafte, große Insolvenzen wie die der Schlecker Unternehmensgruppe, Neckermann oder der Nürburgring GmbH. Während sich insgesamt die Segmente "erneuerbare Energien" und "Automobilzulieferer" ständig in den Schlagzeilen wiederfinden, waren es jüngst vor allem die Schifffahrts- und Reedereiunternehmen sowie die Printmedien, die unter enormen Anpassungsdruck gerieten.
Nachdem die Drogeriemarktkette Schlecker im Frühjahr 2012 Insolvenz anmelden musste, war im Herbst ein weiteres Großunternehmen von einer Insolvenz betroffen. So hat im Juli das Versandhandelsunternehmen Neckermann Insolvenz angemeldet. Der Investor Sun Capital wollte den Sanierungsplan für das Unternehmen finanziell nicht mittragen. Nachdem Gespräche mit potenziellen Investoren gescheitert waren, wurde die Insolvenz des Versandhändlers zum 1. Oktober schließlich abgewickelt. Von der Insolvenz sind die Firmen Neckermann.de GmbH, die Neckermann Logistik GmbH und die Neckermann.contact Heideloh GmbH sowie rund 4.000 Mitarbeiter betroffen. Neben dem Rückzug des Investors wurde auch der misslungene Unternehmenswandel vom klassischen hin zum Internetversandhändler als Insolvenzgrund genannt. Ein kleines positives Signal: Vor kurzem ist die in einem getrennten Insolvenzverfahren geführte Neckermann Tochter Happy Size an einen Konkurrenten verkauft worden, der möglichst viele der rund 80 Arbeitsplätze erhalten will.
Nürburgring am Ende?
Und noch eine Insolvenz sorgte im Jahr 2012 für Schlagzeilen - die zahlungsunfähige Nürburgring GmbH. Der legendären Rennstrecke in der Eifel droht vier Monate nach der Insolvenzankündigung nun das endgültige wirtschaftliche Aus, nachdem Verhandlungen zwischen den Insolvenzverwaltern der nahezu landeseigenen Gesellschaft und den Pächtern des Nürburgrings über eine Räumung der Immobilie gescheitert sind. Die damalige SPD-Alleinregierung von Ministerpräsident Beck hatte 2010 mit der Nürburgring Automotive GmbH einen Pachtvertrag abgeschlossen. Mit den Einnahmen sollten die staatlich abgesicherten Kredite von 330 Millionen Euro für den Bau des Freizeitparks abgezahlt werden. Wegen fehlender EU-Rettungsbeihilfen und Pachtzahlungen konnte die Nürburgring GmbH die Kredite nicht mehr bedienen und musste Insolvenz anmelden. Sollten die Gespräche mit den Pächtern scheitern, könnte dies das endgültige Aus für die traditionsreiche Rennstrecke bedeuten. Ministerpräsident Kurt Beck ist bereits zurückgetreten.
Im Herbst 2012 waren auch immer mehr Schifffahrtsund Reedereiunternehmen von einer Insolvenz betroffen. Infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise brach der Markt für Reedereien zusammen. Auch heute noch müssen die Schifffahrtsunternehmen mit niedrigen Charterraten kämpfen. Bereits Anfang März 2012 hatte die Reederei Beluga Insolvenz für die Tochtergesellschaft Beluga Chartering beantragt. Anfang Juni war die Reederei Beluga endgültig pleite. Somit wurde das Insolvenzverfahren auch über die Tochterunternehmen Beluga Shipping GmbH, Beluga Chartering GmbH sowie elf weitere Unternehmen eröffnet. Mehrere hundert Mitarbeiter der Beluga Reederei haben ihren Arbeitsplatz verloren.
Ende August 2012 war die Rettung der angeschlagenen P+S-Werften GmbH in Wolgast und Stralsund gescheitert. Der Insolvenzantrag ist eingereicht, womit einer der größten Arbeitgeber in Mecklenburg-Vorpommern mit rund 2.100 Beschäftigten vor dem finanziellen Aus steht. Es wird ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angestrebt. Für die erfolgreichere Peene-Werft in Wolgau wird ein Käufer gesucht. Die Zukunft der Volkswerft in Stralsund ist hingegen weiter ungewiss. Ende Oktober lief das Insolvenzgeld für die Mitarbeiter aus. Anfang November eröffnete das zuständige Amtsgericht das Insolvenzverfahren. Nach Angaben der Insolvenzverwaltung ist die Werft mit mehr als 100 Millionen Euro überschuldet. Generell leiden die Reedereien unter sinkenden Frachtraten, die mit dem abflauenden Welthandel einhergehen.
Printmedien in der Krise
Begonnen hat die Krise der Printmedien mit der Insolvenz der Nachrichtenagentur dapd. Anfang Oktober stellte die Muttergesellschaft dapd media holding AG aufgrund von Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Betroffen sind neben der dapd Nachrichtenagentur GmbH und der dapd Nachrichten GmbH noch sieben weitere Tochterunternehmen. Die erst seit September bestehende dapd-Gruppe - ein Zusammenschluss aus dem bereits schon einmal insolventen Deutschen Depeschen Dienst (ddp) und dem deutschen Dienst der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) - beschäftigt rund 500 Mitarbeiter, von denen 299 von der Insolvenz betroffen sind. Für den Zeitraum der vorläufigen Insolvenz bis Ende November erhielten die Mitarbeiter der insolventen dapd-Gesellschaften statt ihres üblichen Gehalts Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit. Als Gründe für die Insolvenz werden neben den hohen Personalkosten und geringen Subventionsleistungen auch die Auflagenrückgänge der verkauften Tageszeitungen genannt. Rund einen Monat später kam mit der Frankfurter Rundschau dann der erste Insolvenzfall einer überregionalen Tageszeitung. Von der Insolvenzanmeldung des Druckund Verlagshauses Frankfurt am Main GmbH sind rund 500 Mitarbeiter betroffen. Die Hauptgesellschafter, die Mediengruppe DuMont Schauberg, die auch hinter dem Berliner Verlag steht, und die SPD-Medienholdung ddvg, sahen wegen massiver Umsatzverluste keine Perspektive mehr für die Fortführung der Zeitung und haben die weitere Finanzierung eingestellt. Als Gründe werden der eingebrochene Anzeigenmarkt und der Rückgang an Druckereiaufträgen genannt. Doch die Insolvenzverwalter sind zuversichtlich, dass eine Lösung zum Fortbestand und zur Sanierung der Zeitung gefunden werden kann. Es werden Gespräche mit mehreren potenziellen Investoren geführt, die Beteiligungen bei der Frankfurter Rundschau und der Druckerei erwägen. Ziel der Verhandlungen ist eine "übertragende Sanierung". Dabei würde der Investor die Aktiva des Unternehmens kaufen, die Verbindlichkeiten aber nicht übernehmen. Bislang erscheint die Zeitung weiter. Das drohende Aus der Frankfurter Rundschau hat auch Auswirkungen auf Mitarbeiter des Berliner Verlags, denn hier werden die "Berliner Zeitung" und der überregionale Teil der Frankfurter Rundschau gemeinsam produziert. So liegen den Mitarbeitern des Berliner Verlages Abfindungsangebote vor.
Eine weitere Hiobsbotschaft folgte am 23. November 2012: Die Financial Times Deutschland (FTD) wurde Anfang Dezember eingestellt. Zwar wurden mit einem Investor noch kurzfristig Gespräche über eine Übernahme der Zeitung geführt, jedoch stellte dies - ebenso wie eine Fortführung als Online-Zeitung oder die Mischung aus verschlankter Printausgabe und einem digitalen Pay-on-demand-Modell - keine wirtschaftlich gangbare Lösung dar. Die letzte Ausgabe der FTD erschien dann am 7. Dezember. Die FTD war erstmals im Jahr 2000 erschienen und macht seit ihrer Gründung Verluste. Ferner sollen die Zeitschriften "Impulse" und "Börse online" verkauft werden. Rund 320 der 350 Stellen sind von der Insolvenz gefährdet.

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