CR vom 04.01.2013, Heft 01 , Seite 46

"Mittelständler aus Kiel wollen keine Cloud aus Süddeutschland"

Schäfer, Dirk

Herr Wippermann, was sind für Sie die IT-Trends des Jahres 2013?
Ich möchte ehrlich gesagt nicht zu viele Buzz-Wörter in den Mund nehmen. Tatsächlich sind aber Mobility, Cloud Computing, Social Media und Big
Data die Bereiche, die unter anderem auch eine IBM-Studie als Trends in der Informationstechnologie benennt. Diese Trends sind der Ausdruck dessen, wohin sich Unternehmen entwickeln und wovon sie glauben, dass es sie auch in Zukunft erfolgreich machen wird. Anders gesagt: In den Trendthemen der IT-Welt spiegeln sich unternehmerische Erfolgskriterien wider. Aus meiner Sicht sind das Innovations- sowie Wachstums- und Kundenorientierung. Gerade in der deutschen Wirtschaft, die gut durch die Krise gekommen ist, sind diese Erfolgskriterien klar erkennbar. Es geht also weniger um Trends in der Informationstechnologie als vielmehr darum, neue Technologien so einzusetzen, dass sie die strategischen Unternehmensziele unterstützen und zum Erfolg beitragen. Es ist wenig sinnvoll, aus Kostengründen in eine Starre zu verfallen. Denn die gestalterischen Möglichkeiten, die neue Informationstechnologie bietet, sind groß!
Gilt das auch für mittelständische Firmen, bei denen die Informationstechnik oft lästige Pflicht ist?
Viele deutsche Mittelständler sind in ihrem Gebiet Weltmeister. Das wäre kaum möglich, würden sie nicht innovationsorientiert agieren und sich auf ihre Stärken konzentrieren. Anstatt nur zu sparen, verbessern sie mit Hilfe von Informationstechnik die operative Exzellenz und Effizienz ihres Geschäfts und der Prozesse.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Nehmen wir den Bereich Mobility: Smartphones und Tablets haben auch bei mittelständischen Firmen ihren festen Platz, denn im Vergleich zu Arbeitsplätzen mit Telefon und PC können sie von Vorteil sein. Sie sind heute fester Bestandteil der Alltagskultur, viele Mitarbeiter nutzen ihre privaten Geräte auch für die Arbeit. Ein Schuh kann dann daraus werden, wenn die Unternehmen über cloudbasierte Dienste den mobilen Zugriff auf E-Mails oder anderes ermöglichen. Bei unseren Partnern ist längst ein Wettstreit im Gange darum, wer die beste App liefert, um das Leben noch leichter zu machen.
Beim Thema Cloud Computing sind mittelständische Unternehmen aus unterschiedlichen Gründen nach wie vor eher zurückhaltend ...
Wir beobachten, dass das Thema an Geschwindigkeit und Akzeptanz gewinnt. Cloud Computing bewegt sich weg von Extremdiskussionen und wird auch im Mittelstand pragmatischer betrachtet. Für gewisse Arbeitsprozesse kann Cloud Computing einen enormen Sprung nach vorne bedeuten. Etwa dann, wenn es Ressourcen freisetzt oder Möglichkeiten eröffnet, die ein Unternehmen sonst nicht wahrnehmen könnte. Gründe dafür können sein, dass es keine eigene IT-Abteilung hat oder weil es nicht die kritische Masse erreicht, die nötig wäre, um einen eigenen Serverpark zu betreiben. cloudbasierte Kommunikations- und Kollaborationsdienste wie E-Mail oder Chats, die die Zusammenarbeit von Teams verbessern, sind ein weiteres Beispiel. Solche Anwendungen sind für Mittelständler besonders relevant.
Mit den City Clouds bietet IBM Cloud-Dienste vor der Haustür an. Weshalb?
Die räumliche Nähe ist ein wichtiger Aspekt. Ein Mittelständler aus Kiel will keinen Cloud-Dienstleister aus Süddeutschland. Die Unternehmen wollen Dienstleister aus derselben Stadt oder aus der Region. Wir unterstützen das mit unseren rund 50 City Clouds in Deutschland. Über die City Clouds können Mittelständler IT-Dienste von Anbietern beziehen, die in der Nähe sind. Das bedeutet zugleich, dass die Daten nach deutschem Recht gespeichert werden, denn unsere Partner unterhalten in Deutschland eigene Rechenzentren. Die City Clouds kommen übrigens sehr gut an. Weiter setzen wir auf das neue Segment der Managed Service Provider, von denen es mehrere Hundert gibt und die zum Teil traditionelle Business-Partner von IBM sind. Die Provider bieten über Cloud-Services hinaus spezifische und umfassende Lösungen für den Mittelstand im Bereich Hard- und Software und dazu weitere Services und Beratung. Letztlich hilft dieses Partnerkonzept, den Begriff Cloud Computing zu entmystifizieren. Zum einen durch die Nähe zwischen unseren Partnern und den Kunden, zum anderen sind unsere Partner an greifbaren Lösungen für den Mittelstand interessiert, die sie mit unserer Unterstützung auch selbst entwickeln.
Wo sehen Sie im Cloud Computing weitere Chancen für den Mittelstand?
Nehmen wir Social Media, um einen weiteren Trend aufzugreifen, der auch von Mittelständlern stark adaptiert wird. Wenn ein Unternehmen sich hier öffnet und über Social Media Rückmeldungen von Kunden erhält, bedeutet das Unmengen an unstrukturierten Daten. In diesen unstrukturierten Daten steckt viel Potenzial, doch man muss es schöpfen. Es gibt Software, die mit solchen Daten umgehen kann und aus ihnen Erkenntnisse zieht. Das Schlagwort ist Business Intelligence. Große Firmen leisten es sich, Business-Intelligence-Lösungen zu kaufen oder eigene entwickeln zu lassen. Für kleinere Firmen aber ist das kein wirtschaftlich gangbarer Weg. Mit Cloud Computing bietet sich die Möglichkeit, einzelne solcher sogenannten Big-Data-Prozesse an Dienstleister abzugeben. So könnte ein Partner vielleicht einmal monatlich Daten nach vorgegebenen Kriterien auswerten und einem Unternehmen dabei helfen, ein Produkt zu verbessern oder Kunden gezielter anzusprechen. Das Unternehmen erhält also plötzlich wertvolle Informationen, die es sonst nicht hätte. Mit Cloud Computing können demnach mittelständische Firmen das tun, was große längst machen. Das passiert überdies in einem klar festgelegten Rahmen, sowohl finanziell als auch organisatorisch. Über die kritische Masse müssen sich die Kunden also keine Gedanken machen. In diesem Beispiel unterstützt der Trend Cloud Computing die eingangs genannten Erfolgskriterien Innovations- sowie Wachstums- und Kundenorientierung, denn es verbessert die Prozesse, um diese Ziele zu erreichen.
Mit City Clouds und den Managed Service Providern hat IBM das Mittelstandsgeschäft massiv ausgebaut. Wie wird sich das fortsetzen?
Wir wickeln unser Mittelstandsgeschäft traditionell zu 100 Prozent über Partner ab. Gerade in Deutschland ist das wichtig, denn hier will der Mittelstand auf Augenhöhe diskutieren. Dem entsprechen wir mit unseren Managed Service Providern, die selbst Mittelständler sind. Dabei verlangen wir von unseren Providern nicht, dass sie IBM exklusiv vertreten. Wenn Sie mich fragen, wie es weitergehen wird, ist die Antwort: Die Landschaft unserer Partner wird nicht schrumpfen, aber sie ist äußerst dynamisch. Neu ist ja, dass unsere Provider viel stärker darauf ausgerichtet sind, dem Mittelstand mit Cloud-Diensten nutzungsabhängige Lösungen anzubieten. Das bedeutet für die Provider enorme Veränderungen. IBM stellt Hard- und Softwarelösungen sowie Services bereit, hilft den Providern aber auch mit Vertriebs-, Marketing- und Finanz-Knowhow. Wichtig ist uns, dass die Partnerschaft nicht einseitig ist. Im direkten Kontakt mit den Kunden entstehen immer wieder innovative Lösungen.
Die Fragen stellte Dirk Schäfer

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