CR vom 01.02.2013, Heft 02 , Seite 28

"Optimierung der Supply Chain ist keine Hexerei"

Schenk, Ingo

Herr Capellmann, wieso ist so viel Geld in den Lagern deutscher Mittelständler versteckt?
Im Bereich der Absatz- und Bedarfsprognose hat vor allem der Mittelstand noch Hausaufgaben zu erledigen. Es wird einfach nicht optimal nach dem realen Bedarf disponiert, sondern oftmals sogar nach Bauchgefühl. Das führt zwangsläufig zu Ungenauigkeiten, die letztlich zu Überbeständen führen. Diese hohen Bestände kosten bares Geld und binden wichtige Liquidität. Die meisten Unternehmen, die mit unserer Software arbeiten, konnten nachhaltig 20 bis 30 Prozent der Bestände einsparen!
Aber benötigen wir nicht hohe Bestände, um auch noch bei hoher Nachfrage lieferbereit zu sein?
Nein. Durch die richtige, fundierte Disposition können Bestände reduziert und gleichzeitig die Lieferbereitschaft gesteigert werden. Das ist keine Hexerei. Man braucht dazu nur eine solide Datenbasis und die richtigen Werkzeuge.
Warum tun sich Unternehmen denn so schwer damit?
Die gesamte Supply Chain ideal zu justieren ist keine triviale Angelegenheit. Das Problem beginnt schon bei der Komplexität der Stammdaten: Artikel können über bis zu 130 logistische Parameter verfügen. So etwas kann kein Disponent manuell überwachen. Vielmehr bedarf es präziser, softwaregestützter Lösungen, die auf die Disposition spezialisiert sind.
Aber können das ERP-Systeme nicht auch abbilden?
ERP-Systeme haben originär andere Aufgaben. Praktisch alle ERP-Systeme sind deshalb keine Spezialsysteme für Prognose und Disposition. Man kann diese Aufgaben zwar rudimentär mit ihnen erledigen, das Ergebnis liegt aber weit entfernt vom Optimum. Man braucht also noch präzisere Software. Man nennt sie Advanced Planning and Scheduling Software oder kurz APS.
Was zeichnet gute APS-Software denn aus?
Sie sollte weitreichende, im Hintergrund automatisch ablaufende Simulationsrechnungen leisten, welche die Planungs- und Dispositionseinstellungen und entscheidungen kontinuierlich optimieren. Auf diese Weise profitieren auch technisch und fachlich weniger versierte Anwender von der hohen Prognosegenauigkeit und Dispositionspräzision. Die Unternehmen können sich an nachhaltig reduzierten Beständen bei Sicherstellung der erforderlichen Lieferbereitschaft erfreuen.
Muss der Disponent denn gar nichts mehr tun?
Doch. Aber unsere Anwender werden gezielt auf den aktuellen Handlungsbedarf hingewiesen und profitieren von der durchgängigen Visualisierung von Bedarfsprognosen und Dispositionsvorschlägen: Zudem können auch viele Planungs- und Dispositionsprozesse mit der richtigen Software automatisiert, rationalisiert und reproduzierbar gemacht werden. So gelangt man letztlich ohne größeren Aufwand zu einer verbesserten Disposition.
Apropos, Sie werben mit Mietlizenzmodellen für Ihre Software. Welchen Nutzen hat der Kunde?
Stellen Sie sich das so vor wie eine Cloud-Appliance, die hochsicher beim Kunden selbst installiert ist. Kunden sparen sich massive Erstinvestitionen für Runtime-Lizenzen und müssen lediglich einen monatlichen Betrag zahlen, solange sie unsere APS-Software nutzen. Da der direkte Support der Anwender sowie die Wartungsarbeiten und Updates durch unser Servicecenter erfolgen, entsteht bei der IT-Abteilung des Kunden kein fachlicher Betreuungsaufwand für das System oder seine Anwender.
Aber wenn die Software kontinuierlich Geld kostet, sind dann die erzielten Einsparungen nicht irgendwann aufgebraucht?
Im Gegenteil. Schließlich ist Bestandsreduzierung kein einmaliger, sondern ein laufender Effekt. Ein Rechenbeispiel: wenn Sie Ihren Lagerbestand um eine Million Euro reduzieren, sparen Sie jährlich zwischen 200.000 und 300.000 Euro Lagerhaltungskosten, die sich aus Zinsen für das gebundene Kapital, Kosten zur Bereitstellung und den Betrieb der Lagerflächen, Schwund oder Beschädigungen von Material, Versicherungen usw. zusammensetzen. Ohne Optimierungssoftware fielen diese jährlichen Kosten ganz schnell wieder an.
Die Fragen stellte Ingo Schenk

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