CR vom 01.02.2013, Heft 02 , Seite 55

Backstage Nachgefragt bei Armin Hoeck

Kann-Hüting, Marie-José

Herr Hoeck, Sie und Ihre Frau sind Gastgeber aus Leidenschaft. Was fasziniert Sie an der Hotellerie?
Was gibt es Schöneres, als jeden Tag in einem wunderschönen Luxushotel arbeiten und in meinem Fall auch wohnen zu dürfen? Ein Großteil meiner Arbeit besteht darin, mir kreative Gedanken darüber zu machen, wie wir anderen Menschen die schönste Zeit des Jahres, den Urlaub, angenehm gestalten können. Das fasziniert mich täglich aufs Neue.
Sie sind mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem als "Service Star 2006" und "Hotelier des Jahres 2008". Was bedeuten Ihnen die Auszeichnungen?
Ich bin ein kleines Rad im großen Uhrwerk, welches mein Team mit einem sehr viel größeren Anteil zum ticken bringt als ich selbst. Die mir zu Teil gewordenen Auszeichnungen sind eine schöne Anerkennung und Belohnung, die mich stolz aber sicher nicht hochmütig machen. Ohne die guten Menschen an meiner Seite, hätte ich diese Auszeichnungen ganz sicher nicht bekommen.
Seit Januar 2011 sind Sie und Ihre Frau Schlossbesitzer und wagten damit erstmals den Schritt in die komplette Selbstständigkeit. Wie kam es dazu?
Geistige Umnachtung ...
Nein, das hatte mit Liebe zu tun. Ursprünglich planten wir vor sieben Jahren unsere Hochzeit auf Burg Schlitz zu feiern, was wir letztlich an einem anderen Ort taten. Burg Schlitz hat uns aber seit diesem Moment nicht mehr losgelassen. Bis sich eines Tages für uns die Möglichkeit bot, dieses Kleinod zu kaufen.
Hans Graf von Schlitz, der Erbauer der Burg, war hessischer Abstammung. Genau wie Sie. Hat das Ihre Entscheidung zum Kauf der Burg beeinflusst?
Um ganz ehrlich zu sein, war uns dies beim Kauf nicht bewusst. Immerhin wurde der Graf 1763 geboren. Dennoch ist es ein schönes Gefühl, dass sich ein Kreis zu schließen scheint.
Sie haben eine Vorliebe für historische Gebäude. Ihnen ist wichtig, Altes und Neues zusammenzubringen. Woher kommt diese Leidenschaft?
Historische Gebäude können so herrliche Geschichten erzählen. Als Hotelier verstehe ich mich auch in gewissem Sinne als Geschichtenerzähler, beispielsweise die "Geschichte" vom guten und feinen Leben auf dem Lande, hier auf Burg Schlitz real zu erleben!
Das Schloss liegt in einem 180 Hektar großen Landschaftspark mit reichem Wildbestand. Gibt es darin auch "magische Orte"?
Es gibt stille Orte, da fühlt die Seele sich zu Hause. Weitab vom Lärm des Alltags genügt hier schon eine kleine Auszeit und man kehrt beseelt zurück. Kraftplätze wie diese kommen ohne großen "Wellness-Zauber" aus. Burg Schlitz liegt dort, wo Mecklenburg sein Herz öffnet und ganz tief hinein blicken lässt. Um sich selbst wieder zu finden, braucht es vor allem Ruhe und Geborgenheit. Die Begegnung mit der Natur unterstützt den Erholungsprozess und sorgt dafür, dass gute Gedanken in Gang kommen.
Sie sagen, dass Burg Schlitz ein Ort ist, an dem "der Seele Flügel wachsen". Wer oder was löst dies aus?
Wir glauben, dass es vor allem die Summe der vielen, kleinen Dinge ist, mit denen wir punkten. Während allerorten die Aufmerksamkeiten, die das Leben so lebenswert machen, zurückgefahren werden, tun wir das Gegenteil. Wir investieren in gute Gesten und Gaben, die von Herzen kommen. Der Rest kommt von ganz allein.
Zu den sportlichen Veranstaltungen im Jahr gehören die Jagd und die (Jagd-) Reiterei. Nehmen Sie daran auch selbst "hoch zu Ross" teil?
Die Jagdreiterei ist eine sehr anspruchsvolle Form des Reitens. Man sollte besonders sattelfest sein. Der Landschaftspark von Burg Schlitz ist eines der ältesten und traditionsreichsten Jagdgebiete für Schleppjagden in Norddeutschland, mit einer sehr anspruchsvollen Geländestrecke, die ich mir, zumindest während einer rasanten Jagd im großen Feld, noch nicht zutraue.
Ihr klassizistisches 5-Sterne Landpalais hat in 2012 die Auszeichnung "Hotel des Jahres" erhalten? Was mussten Sie und Ihr Team dafür tun? Sind Ihre Mitarbeiter besonders gut geschult?
Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sicherlich gut geschult, aber ich bin überzeugt, dass es noch viel wichtiger ist, dass sie alle leidenschaftliche und aufrichtige Gastgeberpersönlichkeiten sind. Das spüren unsere Gäste. Für unser kleines Haus war diese Auszeichnung eine riesige Bestätigung für unser tägliches Tun. Ja, unser Haus ist schön, exklusiv, herrschaftlich, großzügig und bietet 5-Sterne Luxus-Komfort. Aber genau das offerieren viele andere Hotels auch. Wir sind vor allen Dingen authentisch. Auf Burg Schlitz ist alles echt, es gibt keine Kulissen und das scheint den Testern viel Wert gewesen zu sein.
Sie sind von Rheinland-Pfalz in die Mecklenburgische Schweiz gezogen. War das anfangs schwer für Sie? Oder haben Sie vielleicht noch einen Koffer an der Mosel?
Wir haben an der Mosel nicht nur einen Koffer, sondern ein ganzes Haus. Meine Frau ist Berlinerin, ich Marburger. An der Mosel haben wir unsere kleine Familie gegründet. Wir fühlen uns dort sehr wohl und möchten dieses Stück Heimat nicht aufgeben.
Gemeinsam mit Ihrer Frau führen Sie das Hotel. Läuft das immer reibungslos ab?
Ich werde jetzt sicher nicht aus dem Nähkästchen plaudern. Nur soviel: Sie ist eine tolle Chefin und ich bin ein folgsamer Untergebener ... wir ergänzen uns einfach prächtig, und jeder hat seine Aufgaben.
Was hilft Ihnen in besonders kritischen Situationen?
Ich bin ein glücklicher Mensch, da ich von meinem Standpunkt aus betrachtet, bisher nur eine einzige, tatsächlich sehr bedrohliche Situation in meinem Leben durchleben musste. Ohne meine Frau wäre mir dies nicht möglich gewesen. Für das Glück meines Lebens bin ich sehr dankbar.
Die Fragen stellte Marie-José Kann-Hüting

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