CR vom 01.02.2013, Heft 02 , Seite 58

Unverträglichkeit von Lebensmitteln - kleine Ursache, große (Neben-)Wirkung

Spitzbart, Michael

Nahrungsmittelunverträglichkeiten kommen viel häufiger vor als gedacht und haben mehr Nebenwirkungen als befürchtet. Oder hätten Sie gedacht, dass eine Fruktoseintoleranz beispielsweise zu Immunschwäche, Allergien, Haarausfall, frühzeitigen Alterungsprozessen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und sogar zu Depressionen führen kann? Doch der Reihe nach: 30 bis 60 Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung leiden an der häufigsten Unverträglichkeit, der Fruktoseintoleranz. Unser Organismus ist nicht darauf eingestellt, das ganze Jahr über Obst zu essen. Weintrauben, Kiwis, Ananas, Mango und Erdbeeren im Winter erscheinen uns heute zwar selbstverständlich - normal ist das aber nicht! Zudem wird das Obst durch Züchtung immer süßer, und Fruchtzucker wird bei vielen industriell hergestellten Nahrungsmitteln großzügig beigesetzt. Diese Menge an Fruktose kann den mitteleuropäischen Darm überfordern, der durch die Evolution immer noch an viel mehr Gemüse als an Obst gewöhnt ist. Die Darmbakterien verstoffwechseln den unverdauten Zucker unter starker Gasbildung im Darm, wobei viel Wasserstoff (H2) freigesetzt wird. Den kann man in der Atemluft beim Ausatmen mit einem speziellen Test messen. Der erhöhte Druck im Dickdarm wiederum öffnet das Rückschlagventil zum Dünndarm, die so genannte Ileozäkal-Klappe. In der Folge gelangen Bakterien aus dem Dickdarm in den Dünndarm, die dort eigentlich gar nichts verloren haben. Dadurch wird die Dünndarmschleimhaut gereizt, und es entstehen Entzündungen, wodurch ein spezieller Entzündungsparameter im Blut (CRP Wert) messbar ansteigen kann.
Weiterhin bindet der Fruchtzucker wichtige Substanzen, die dann aus dem Darm nicht mehr aufgenommen werden können. Kupfer und Zink gehen ebenso verloren wie die ganz wichtige essenzielle gehirnaktive Aminosäure Tryptophan, aus der in unserem Gehirn das Glückshormon Serotonin entsteht. Darum kann aus einer banalen Nahrungsmittelunverträglichkeit eine handfeste Depression entstehen. Und da aus dem Serotonin das Schlafhormon Melatonin gebildet wird, braucht man sich bei einer Fruktoseintoleranz über Schlafstörungen auch nicht mehr zu wundern. Jetzt können Sie verstehen, warum ich in meiner Praxis diese Nahrungsmittelunverträglichkeiten sehr ernst nehme und auch die Spurenelemente und essenziellen Aminosäuren im Blut meiner Patienten messe. Offiziell sind wir laut der "seriösen Medizin" automatisch ausreichend mit diesen Nährstoffen versorgt. Darum braucht man sie per Definition gar nicht erst zu messen. Durch jahrelange Erfahrung weiß ich leider, dass der Mangel häufiger vorkommt als der Normalzustand. Und statt die daraus resultierenden Probleme bei der Wurzel zu fassen, werden vom Hausarzt bei den entsprechenden Symptomen viel zu oft Medikamente verordnet, anstatt nach der Ursache zu forschen. Gegen die sehr häufig vorkommenden Schlafstörungen gibt es Schlaftabletten, und Antidepressiva stellen mittlerweile einen Milliardenmarkt dar.
Die Fruktoseintoleranz kann man genau wie die zweithäufigste Unverträglichkeit, die Laktoseintoleranz durch einen Test diagnostizieren, wobei der entstehende Wasserstoff in der Atemluft gemessen wird (H2 Exhalationstest). Therapeutisch muss dann erst einmal das Obst oder die Milch gemieden werden. Ausnahme sind Kaktusfeigen und Papaya, die keine Fruktose enthalten. Wenn sich das System nach einiger Zeit wieder beruhigt hat, werden kleinere Mengen Obst in der Regel wieder vertragen. Beginnen sollte man mit Aprikosen und Bananen, da darin mehr Glukose als Fruktose enthalten ist. Trotzdem sollte auch später der Gemüseanteil den Obstanteil deutlich überwiegen.
Zusätzlich empfiehlt es sich, einmal die Darmflora untersuchen zu lassen. Dazu sollte man allerdings ein spezialisiertes Labor konsultieren. Oft ist die gesunde Darmflora beispielsweise durch Antibiotika irgendwann in der Vergangenheit zerstört worden. Das kann zum so genannten "leaky gut Syndrom" führen. Dabei wird die Darmschleimhaut so großporig, dass noch unverdaute Nahrungspartikel in die Blutbahn gelangen - was dann noch viel mehr Unverträglichkeiten und Allergien auslöst. In der herkömmlichen Medizin spielt die Darmflora nur eine untergeordnete Rolle. Dabei tummeln sich im gesunden Darm mehr nützliche Bakterien, als wir Körperzellen haben. Wenn die Darmspiegelung unauffällig ausgefallen ist - bei der aber überhaupt keine Bakterien untersucht werden - gilt der Darm als gesund. Da die normale Medizin den Darm kaum beachtet, haben sich die Heilpraktiker auf dieses Gebiet spezialisiert. Im Gegensatz zu vielen meiner Berufskollegen habe ich keine Berührungsängste, was gute Heilpraktiker anbetrifft. Im Gegenteil: Ich arbeite sogar eng mit ihnen zusammen. Gemeinsam haben wir schon so manchen Darm saniert und Unverträglichkeiten behoben.
Dr. Michael Spitzbart

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