CR vom 03.02.2012, Heft 02 , Seite 37

"2012 steht ganz im Zeichen des Forderungsmanagements"

Mit welchen Erwartungen sind Sie in das Jahr 2012 gestartet?
Creditreform wird weiterhin davon profitieren, dass unser Produktportfolio mit Dienstleistungen im Risiko- und Forderungsmanagement für jede konjunkturelle Situation die passenden Lösungen bietet. Das belegen zwei aktuelle Trends: Die Identifikation von Geschäftspotenzialen einerseits und Geschäftsrisiken andererseits ist für Unternehmen von vitalem Interesse. Die Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 hat dieses Interesse noch einmal verstärkt, da etwa die Gewährung von Lieferantenkrediten durch gestiegene Ausfallrisiken und eine Verschlechterung des Zahlungsverhaltens zu einem zunehmend riskanten Geschäft wurde. Angesichts einer möglichen erneuten Konjunktureintrübung stehen Unternehmen aus eigenem Interesse weiterhin in der Pflicht, den Geschäftsverkehr untereinander durch die Identifikation, Bewertung und Steuerung von Risiken abzusichern. Daher sind Wirtschaftsauskünfte unverzichtbare Bestandteile im Risikomanagement unzähliger Unternehmen aller Größen und Branchen, um Lieferungen und Leistungen abzusichern sowie die Bonitätsentwicklung wichtiger Geschäftspartner zu beobachten. Der zweite Trend betrifft das Working Capital Management in den Unternehmen, also das gezielte Steuern von Lagerbeständen, Forderungen und Verbindlichkeiten. Es ist eine der Stellschrauben, an der Unternehmer derzeit drehen können, um gebundene Liquidität für die Innenfinanzierung freizusetzen. Das größte Potenzial zur Verbesserung liegt dabei in der Reduzierung von Vorräten, gefolgt von einer Optimierung des Forderungsmanagements. Da die eigene Zahlungsfähigkeit nicht zuletzt durch das Zahlungsverhalten der Kunden beeinflusst wird, wird sich der Mittelstand in Zukunft - auch mit Unterstützung von Creditreform - noch intensiver mit dem Forderungsmanagement befassen.
Wie stehen Sie zu der Inkasso-Auswertung der Verbraucherzentralen? Wie begründen Sie Ihre Position?
Die Verbraucherzentralen haben gezielt Beschwerden von Verbrauchern erfasst. Durch diesen Ansatz war von Anfang an klar, dass vor allem der potenziell unseriöse Teil der Inkasso-Branche beleuchtet wird. Die Verbraucherzentrale bezeichnet ihre Auswertung daher selbst auch ausdrücklich als nicht repräsentativ für die gesamte Inkasso-Branche, auch wenn an manchen Stellen der Eindruck entsteht, die für die Gesamtwirtschaft sinnvolle und nutzbringende Tätigkeit der Inkasso-Unternehmen einem Generalverdacht unseriösen Handelns unterstellen zu wollen. Doch seriöses Inkasso wird in der Auswertung ausdrücklich nicht in Frage gestellt.
Creditreform distanziert sich ausdrücklich von den in der Inkasso-Auswertung beschriebenen Praktiken. Wenige schwarze Schafe schaffen es leider immer wieder, die Gesamtbranche in Misskredit zu bringen. Als Verbandsmitglied verweisen wir in diesem Zusammenhang auch auf die Stellungnahme des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen. Darin begrüßt der Verband die Inkasso-Auswertung der Verbraucherzentrale, distanziert sich im Namen seiner Mitglieder ausdrücklich von unseriösen Inkasso-Praktiken und verweist auf die freiwillige Aufsicht durch den Branchenverband. Darüber hinaus regt der Bundesverband wiederholt an, die bis Juni 2008 im damals geltenden Rechtsberatungsgesetz geregelte Aufsicht über Inkasso-Unternehmen und die darin enthaltenen Sanktionsmöglichkeiten auch in das Rechtsdienstleistungsgesetz zu übernehmen. Darüber hinaus hat sich Creditreform eigene, sehr strenge Qualitätsmaßstäbe gesetzt, die sowohl im Vertrieb als auch in der Inkasso-Sachbearbeitung gelebt werden. Dies spiegelt sich erfreulicherweise in der Detailbetrachtung der Inkasso-Auswertung der Verbraucherzentralen wider. Die wenigen Einzelfälle konnten zur Zufriedenheit der Beteiligten geklärt werden.
Rasches Bearbeiten neu übernommener Forderungen versus genaue Prüfung, ob die Forderungen berechtigt sind: Wie positionieren Sie sich in dieser Frage?
Wir nehmen den Beratungsauftrag, der uns durch das Rechtsdienstleistungsgesetz in das Pflichtenheft geschrieben wurde, zum Schutz unserer eigenen Reputation sehr ernst. Entsprechend unterziehen wir die Forderungen, die uns von den Gläubigern zum Einzug übertragen werden, vor der Geltendmachung einer grundsätzlichen Prüfung. Wir prüfen darüber hinaus generell auch, ob schon das Geschäftsmodell eines Auftraggebers Rückschlüsse darauf erlaubt, ob hier gegebenenfalls mit dem Aufkommen unrechtmäßiger Forderungen zu rechnen ist. Wenn sich dabei Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Forderungen ergeben, werden wir für den Auftraggeber nicht tätig.
Dubiose Gläubiger sind für 87 Prozent der in der Inkasso-Auswertung der Verbraucherzentrale erfassten Beschwerden verantwortlich. Zu nennen sind hier unseriöse Abo-Fallen im Internet, Gewinnspiele, App-Abzocke, Drittanbieter/ TK-Rechnung und falsche Verbraucherschützer. Im Bereich der Internet-Dienstleister schauen wir uns daher potenzielle Kunden besonders genau an und berücksichtigen dabei auch Einträge in den Verbraucherforen.
Sollte es zu einer Reform des Insolvenzrechts kommen, welche Auswirkungen speziell auf das Mengengeschäft mit Kleinforderungen erwarten Sie? Weshalb?
Die Absicht des Bundesjustizministeriums ist, Insolvenzschuldnern bereits nach drei Jahren anstatt bisher sechs Jahren die Möglichkeit der vollständigen Restschuldbefreiung einzuräumen, falls in dieser Zeit eine Mindesttilgung von 25 Prozent der ursprünglichen Schuldenhöhe erreicht wurde. Damit wird das deutsche Insolvenzrecht internationalen Standards angeglichen. Augenscheinlich steigt dadurch die Realisierungsquote im Insolvenzfall. Doch die Verkürzung würde Anreize für unvernünftiges Wirtschaften auf Kosten anderer setzen ("Moral Hazard") und kann deshalb aus Gläubigersicht nicht akzeptiert werden. Damit steigt die Risikobereitschaft der Privatpersonen und Kleinunternehmen, die aufgrund des bisherigen Insolvenzrechts ihre finanziellen Verpflichtungen eher mit Augenmaß gestaltet haben. Im Mengengeschäft bedeutet dies eine deutliche Verschlechterung für die Gläubiger. Die Mindesttilgung von 25 Prozent ist bei Kleinforderungen ein geringer Absolutbetrag, der nur selten in einer wirtschaftlich sinnvollen Relation zu den Kosten steht, die die Forderungsanmeldung und die Verfolgung des Insolvenzverfahrens verursacht. Ziel für die Gläubiger von Mengenforderungen muss es daher sein, frühzeitig, also vor einem möglichen Insolvenzverfahren, die Forderung einzuziehen und keine höheren Außenstände entstehen zu lassen. Weitere, für Gläubiger von Großforderungen interessante Aspekte der Insolvenzrechtsreform, wie beispielsweise die Ausweitung der Versagensgründe für die Restschuldbefreiung und die erweiterten Auskunfts- und Mitwirkungspflichten des Schuldners haben aber für das Mengengeschäft kaum Relevanz.
Wie haben sich die Bedürfnisse der Unternehmen im Forderungsmanagement durch die Restriktionen im Telefonmarketing und die somit erschwerte Neukundengewinnung verändert?
Der Erhalt des Bestandskundengeschäfts ist bei vielen Unternehmen - zusätzlich zu der im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten betriebenen Neukundengewinnung - noch weiter in den Fokus gerückt. Für das Forderungsmanagement ist damit der Anspruch verbunden, die Erfolgsquoten unter Fortbestand der Kundenbeziehungen weiter zu optimieren. Frühzeitige, fein dosierte Eskalationsstufen von der freundlich formulierten Zahlungserinnerung über einen telefonischen Mahnservice bis hin zur Beratung hinsichtlich alternativer Vertragsformen helfen, zahlungswillige Kunden mit einem temporären Liquiditätsengpass wieder in den normalen Kundenbetreuungsprozess zurückzuführen. Hier sind die Kompetenz und das Fingerspitzengefühl professioneller Inkasso-Unternehmen gefragt, die als Interessen-Mediator zwischen Gläubiger und Schuldner tätig sind.
Welche Aufgaben stehen 2012 auf Ihrer Agenda?
Auf Basis einer kürzlich durchgeführten Inkasso-Marktbefragung werden wir unser Produktportfolio noch zielgenauer auf unsere Kunden ausrichten, weitere Branchenlösungen konzipieren und unsere internationalen Aktivitäten im Inkasso weiter ausbauen. Ziel ist es, unsere Kunden weitestgehend von allen Tätigkeiten rund um den Einzug überfälliger Forderungen zu entlasten. Hierbei kommt uns die frühzeitig eingeleitete Ausrichtung als Full Service-Dienstleister im Risiko- und Forderungsmanagement zugute. Gleichzeitig werden wir die vertrieblichen Aktivitäten im Bereich des Forderungsmanagements ausbauen, um auf einem breiten Fundament unseren Marktanteil weiter auszubauen. Die gesteckten Wachstumsziele betreffen nicht nur das klassische Treuhandinkasso, sondern auch den Ankauf von Forderungsportfolien.
Auch in der Bearbeitung der Inkassofälle ergeben sich Veränderungen. Für standardisierbare Back-Office-Prozesse wie beispielsweise die Adressermittlung bei unbekannt verzogenen Schuldnern oder die Bereitstellung von Kapazitäten für aktives und passives Telefoninkasso stellt Creditreform Shared Services zur Verfügung, die ein Höchstmaß an Effizienz mit der Fachexpertise der qualifizierten Inkasso-Spezialisten vor Ort kombiniert. Verbunden mit einer flexiblen Inkasso-Software und automatisierten Prozessen verbessern wir die Möglichkeiten, neben der individuellen Fallbearbeitung auch Mengenmandate im Kleinforderungsbereich mit der erforderlichen Prozesseffizienz und Fachkompetenz bedarfsgerecht abzuwickeln. 2012 steht ganz im Zeichen des Forderungsmanagements.

SERVICES + BLOGS + SHOP

Umfrage

Creditreform - Leserumfrage

Partner

Newsletter

Creditreform-Archiv

Alle Print-Artikel der Creditreform