CR vom 02.11.2012, Heft 11 , Seite 8

Menschen motivieren

Lemmer, Ruth

Reinhard K. Sprenger hat wieder einmal in die Tasten gegriffen. Der Managementberater und Bestseller-Autor nennt sein Werk "Radikal führen". Er sieht eine gute Führungskraft nicht als Antreiber, sondern als eine, zu deren Kernaufgaben es gehört Zusammenarbeit zu organisieren. Sprenger legt ein optimistisches Menschenbild zugrunde: Neugier und Ungewöhnliches stacheln an, Geld und Status als Belohnung machen faul. "Wer für Geld kommt, geht für Geld" - so sein knapper Satz zu einseitiger Anreizkultur. Sprenger bleibt sich treu, wenn er fordert, dass Vorgesetzte es endlich lassen sollen, ihre Mitarbeiter zu demotivieren.
Prämien zahlen
Motivation ist sozusagen das Bindeglied zwischen Fähigkeit und Leistung. In der Bankenbranche ist nicht zuletzt wegen der Finanzkrise über die Wirksamkeit von Boni als Motivationsinstrument diskutiert worden: Vorstandschef Anshu Jain will das Bonuswesen der Deutschen Bank überdenken. Ob sich grundsätzlich etwas ändert an dem Geld-Lob oder lediglich eine Obergrenze eingezogen wird, weil der Glaube an die Prämie als Hauptmotivator sich in Frankfurts Bankenviertel hält, bleibt abzuwarten. Die Managementliteratur listet jedenfalls andere Ideen und Instrumente auf, die die Motivation stark beeinflussen:
· Ergebnisorientiert arbeiten kann nur, wer in einem geklärten Rahmen planen, entscheiden und machen, auch einmal experimentieren darf. Verworrene Hierarchien und ein Hick-Hack um Kompetenzen lähmt Mitarbeiter ebenso wie raumgreifende, aber zielarme Konferenzen. Eine gute Arbeitsorganisation schafft Abhilfe.
· Zur Personalentwicklung gehört Weiterbildung. Wer mehr kann und die Chance hat, dieses neue Können einzusetzen, geht hoch motiviert ans Werk.
· Online-Fragebögen, Blogs im Intranet, Frühstücks- und Lunchtermine oder Kamingespräche zwischen Spitzenmanagern und Mitarbeitern sind gute Informationsquellen. Allerdings wirkt jeder Austausch langfristig nur, wenn die Beschäftigten erleben, dass die Chefs tatsächlich zuhören und ihre Kritik ernst genommen und ihre Anregungen umgesetzt werden.
· Vorgesetzte und Mitarbeiter sollten sich nicht nur in ritualisierten Jahrespflichtgesprächen sondern in freiwilligen Runden häufiger darüber austauschen, warum die Arbeitsergebnisse so sind, wie sie sind. Die Diskussionen bringen allerdings nur dann etwas, wenn sie von gegenseitigem Respekt getragen werden.
· Vorgesetzte müssen Veränderungen selbst angstarm und positiv betrachten - und dieses Gefühl vermitteln, wenn sie mit Arbeitnehmern über deren berufliche Zukunft und möglicherweise notwendige oder gewünschte Neuorientierung sprechen.
Die branchenübergreifende Gallup-Studie, die alle Jahre wieder das Engagement von Mitarbeitern misst, stellt wiederholt auf die Letztgenannten ab, die unmittelbaren Vorgesetzten. Sie entscheiden mit ihrem Verhalten sehr stark über Lust und Frust der Mitarbeiter.
Zu diesem Schluss kommt auch die Nürnberger TeamBank AG, die unter dem Produktnamen Easycredit Ratenkredite für die Genossenschaftliche FinanzGruppe der Volks- und Raiffeisenbanken entwickelt und vertreibt. Weil das Bessere der Feind des Guten ist, befragt das Kreditinstitut jedes Jahr seine rund 1.000 Mitarbeiter. 2011 rückte das Thema Führung in den Mittelpunkt. Es gab Überlegungen zu Leitlinien, wie sie in Hochglanzbroschüren anderer Bankhäuser stehen. Doch die Mitarbeiter wünschten sich etwas Konkreteres: häufigere Gespräche mit Vorgesetzten und mehr Feedback. Umgesetzt wurde ein unkompliziertes Modell. Neben den jährlichen Mitarbeitergesprächen, in denen es um Verantwortlichkeiten, Perspektiven und Vergütung geht, bieten Vorgesetzte dreimal im Jahr Feedback an - freiwillig für die Beschäftigten und papierfrei, also ohne Protokoll. Jetzt, nach der zweiten Runde, wird nachgehakt: Wie sind die ersten Feedbackgespräche gelaufen? Philipp Blomeyer, Bereichsleiter Personal, Recht und Kommunikation der TeamBank AG in Nürnberg, setzt auf unternehmerisch denkende Mitarbeiter: "Nur wer selbst begeistert ist, kann auch den Kunden begeistern."
Selbstständig arbeiten
Begeisterung - ein weitaus dynamischeres Wort als Motivation - braucht ein personalpolitisches Umfeld, das selbstständiges Arbeiten ermöglicht. Bei der TeamBank sind das flache Hierarchien und Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter ernst nehmen, ihnen zuhören, sie als Mitunternehmer ansehen. Sport und Gesundheits-Check, vermögenswirksame Leistungen und ein Weiterbildungszuschuss runden das Personalpaket ab, das wie die auf Postern, als Bildschirmhintergrund und als Kunststoffmodell omnipräsente Firmenvision EasyTown offen für weitere Bausteine ist. Extern sammelt das Kreditinstitut Arbeitgeberpreise: 2012 wurde die TeamBank erneut vom CRF Institute zum "Top Arbeitgeber" erklärt, erhielt gleichzeitig das Top Job-Gütesiegel "Arbeitgeber des Jahres" und das Zertifikat "berufundfamilie". Intern bauen die Mitarbeiter an EasyTown: der Stadt, in der sich Nachhaltigkeit und geschäftlicher Erfolg spielerisch spiegeln. So signalisiert ein rundes buntes Café mit Kinderschaukel und Elternpüppchen, dass Beruf, Familie und Freizeit zählen - ganz praktisch mit Elternzeit und Sabbatical, Teilzeit und Vertrauensarbeitszeit. Eine motivierende Idee, reif für die Umsetzung.
Ruth Lemmer

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