CR vom 02.11.2012, Heft 11 , Seite 28

Nachfolge richtig finanzieren

Tröger, Matthias

Sie gehört zu den schwierigsten Herausforderungen, denen sich Unternehmer stellen müssen: die Regelung der Unternehmensnachfolge. Wichtig ist in jedem Fall frühzeitig und strategisch zu planen. Auch der Nachfolger trifft weitreichende Entscheidungen mit großen finanziellen Konsequenzen.
Bei der Eigenkapitalfinanzierung erfolgt die Vergütung durch Barzahlung oder in Form von Vermögensrechten, etwa den Austausch von Anteilen mit dem Unternehmen des Erwerbers. Fremdfinanzierungen erfolgen in der Regel über Kreditinstitute oder staatliche Förderinstitutionen, die geordnete Nachfolgeregelungen subventionieren. Kreditfinanzierung von Unternehmensverkäufen sind meist großvolumige Geschäfte und für Banken attraktiv. Wesentliche Aspekte für den prozentualen Finanzierungsanteil und die Finanzierungskonditionen sind Kaufpreis und Kapitaldienstfähigkeit.
Förderinstitute geben qualifizierten Nachfolgern die Möglichkeit, ein Unternehmen zu erwerben, wenn das erforderliche Eigenkapital nicht in ausreichendem Maß vorhanden ist. Die Programme unterscheiden sich oft nach Bundesländern - gemeinsam ist ihnen die staatliche Subventionierung: Zinsen unter Marktniveau, Tilgungsfreiheit in der ersten Phase, staatliche Bürgschaften als Eigenkapitalersatz. Diese Programme werden meist für kleinere bis mittlere Transaktionen herangezogen. Der Antrag erfolgt über die Hausbank, der formale Aufwand ist erheblich, der Zeitbedarf für das Genehmigungsverfahren oft problematisch.
Finanziert werden kann eine Nachfolge auch durch den Verkäufer. In einem Verkäuferdarlehen kann er einen Teil des Kaufpreises für einen festgelegten Zeitraum stunden. Bei Transaktionen mit strategischen Käufern (Beteiligungsgesellschaften) kann der Käufer gegen den Verkäufer so auch etwaige Gewährleistungsansprüche absichern. Eher die Ausnahme bildet die Verpachtung, bei der das Unternehmen im Besitz des Verkäufers bleibt. Üblicher sind
Mietkauf oder Verrentung. Hier wird der Kaufpreis durch Ratenzahlung beglichen. Diese Variante findet man am ehesten in der familieninternen Nachfolge, extern beim MBO oder MBI. Doch Vorsicht: Der Verkäufer geht hierbei nicht unerhebliche Risiken ein. Ob er den gesamten Kaufpreis erhält, hängt von der nachhaltigen Wirtschaftlichkeit des Unternehmens ab.
Ein Börsengang ist unter wirtschaftlichen Aspekten zwar interessant, jedoch Unternehmen mit einer gewissen Größe und Marktbedeutung vorbehalten. Die Vorarbeiten sind umfangreich und kostspielig. Finanziert werden können Akquisitionen aber auch durch die Ausgabe von Unternehmensanleihen. Diese können an der Börse gehandelt werden (mehr hierzu ab Seite 16). Sie haben ein festgelegtes Gesamtvolumen, feste Laufzeiten und Konditionen. Der Zins hängt vom Rating des Unternehmens ab. Dem Vorteil günstiger Konditionen und überschaubarer Berichtspflichten stehen auch Nachteile gegenüber: Die Anleihe muss zum Laufzeitende vollständig getilgt werden, sonst ist der Imageschaden immens.
Die aktuelle Eurokrise führt zu einer zunehmenden Zurückhaltung der Banken bei der Akquisitionsfinanzierung. So tauchen neben den beschriebenen Finanzierungsmöglichkeiten auch neue Finanzierungsansätze auf. Bei der Kapitalerhöhung durch Minderheitsbeteiligungen etwa versuchen spezialisierte Beteiligungsgesellschaften, Family Offices oder vermögende Privatpersonen über ein befristetes Engagement die Rendite ihrer Vermögen zu steigern. Sie ermöglicht dem Darlehensnehmer bei der Finanzierung von Akquisitionen eine größere Unabhängigkeit von der Bankenlandschaft. Beim
Crowd Funding werden auf Internetplattformen Projekte vorgestellt und Investoren eingeladen, diese zu finanzieren. Ziel ist es eine Masse an Investoren zu finden, die mit kleinen Beträgen ein interessantes Projekt finanzieren.
Matthias Tröger, seneca Corporate Finance

Kreditvergabe Worauf Banken achten
Kaufpreis: Ist er marktgerecht? Zur Prüfung werden Vergleichstransaktionen herangezogen, oder die zur Kaufpreisberechnung verwendeten Multiples mit denen von Expertenpanels ermittelten aktuellen Kaufpreismultiples verglichen.
Kapitaldienstfähigkeit: Kann der Kreditnehmer den Kredit zurückführen? Hier prüfen Kreditinstitute:
· die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells
· die Volatilität des Unternehmens/der Branche
· die Qualifizierung des Unternehmers
· die Bonität des Übernehmers
· den relativen Finanzierungsanteil des Kaufpreises
· Grundlage bildet in der Regel ein Businessplan mit einer 3- bis 5-jährigen Ergebnis- und Bilanzplanung.
Quelle: seneca Corporate Finance GmbH

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