CR vom 01.02.2013, Heft 02 , Seite 10

Mehr Klasse statt Masse

Schäfer, Dirk

Kontakte, Geschäfte, Abschlüsse - weil die Akquise neuer Kunden immer teurer wird, setzt die nach wie vor größte IT-Messe der Welt nicht allein auf ein Wachstum der Aussteller- und Besucherzahlen. Wie schon in den vergangenen zwei Jahren soll sich die CeBIT, die in diesem Jahr vom 5. bis 9. März stattfindet, noch stärker als Kontaktplattform etablieren. Dabei wollen die Aussteller zwar mehr Kundenkontakte und letztlich mehr Geschäfte machen. Doch Megatrends zu erläutern wie Cloud Computing oder Big Data, erfordert schlicht mehr Zeit - denn die Lösungen in diesen Bereichen sind komplex.
Dass die CeBIT allerdings zur reinen Fachmesse wird, wollen die Macher weiterhin nicht. Denn Endkunden als Massenpublikum sorgen für hohe Besucherzahlen, was wiederum attraktive Aussteller anzieht. Zumindest im vergangenen Jahr jedoch hat der Spagat zwischen Fach- und Publikumsmesse auch Unzufriedenheit hinterlassen. Während Trauben cooler Trendsetter in musikbeschallten Lounges auf ihren iPads spielten, blieben anderswo halbe Hallen unbesucht.
Das vom neuen CeBIT-Chef Frank Pörschmann für dieses Jahr ausgegebene Motto "Mehr Klasse statt Masse" scheint daher folgerichtig. Nach bisherigem Stand wird die Zahl der Aussteller die des Vorjahres erreichen. Nachdem es bis 2010 Absagen nur so gehagelt hatte und die Ausstellerzahl von einst über 8.000 auf knapp 4.000 gesunken war, fanden sich 2012 wieder rund 4.200 Unternehmen auf der Messe. Verabschieden von großen Zahlen wollen sich die CeBIT-Macher wie gesagt nicht. Das spiegelt sich auch in den Inhalten der diesjährigen Messe: Neben Trends aus dem Bereich Business-IT wie Cloud Computing oder Big Data stehen daher auch übergreifende Themen wie soziale Netzwerke oder Mobility auf der Tagesordnung. Zu Letzterem wird es zudem eine eigene Konferenz geben, bei der junge Firmen ihre Entwicklungen und Ideen vorstellen.
Groß im Kommen ist auch, Wissen, Inhalte oder Güter mit anderen zu teilen - sei es in offenen Systemen wie einer Social-Media-Plattform oder geschlossenen innerhalb von Unternehmen. Die CeBIT hat das einstige Graswurzel-Thema "Ökonomie des Teilens" adaptiert und unter dem Schlagwort "Shareconomy" ganz oben auf die Agenda gesetzt. Was genau darunter zu verstehen ist, soll ebenfalls gestandenen IT-Leitern und Geschäftsführern vermittelt werden.
Zur "Shareconomy" gehört auch das Thema Open Source - zwar nur am Rande, doch in diesem Jahr wird es deutlich aufgewertet präsentiert. Der "OS X Business-Park" in Halle 6 wurde dazu ausgeweitet, mehr Hersteller werden also auf größerer Fläche informieren. Interessant könnte sein, den Erfahrungen von öffentlichen Einrichtungen und Kommunen zu lauschen, die ihre IT-Landschaften von Microsoft auf Linux umstellen. Die Stadt München etwa hat ihr Projekt jüngst abgeschlossen. Ebenfalls auf größerer Fläche werden sich Aussteller aus dem Bereich IT-Sicherheit darstellen.
Dem Trendthema Mobility widmet die CeBIT gar eine neue Sonderschau. Im Bereich "Mobile Business Solutions" in Halle 6 werden Systemhäuser, Software-Anbieter, Hardware-Hersteller und Netzbetreiber zu Themen wie Integration mobiler Geräte, Bring Your Own Device (BYOD), Mobile Home Office und mobile Sicherheit informieren. "Mobile Anwendungen durchdringen zunehmend die Geschäftsprozesse von Unternehmen. Ziel ist, den Bereich zum wichtigsten internationalen Treffpunkt für das Themenfeld Mobile IT auszubauen", erläutert CeBIT-Chef Pörschmann.
Ein weiterer Baustein für mehr Geschäft auf der CeBIT ist das diesjährige Partnerland Polen. Nicht nur werden in Polen EU-weit die meisten Flachbildschirme gefertigt. Als eines der wenigen EU-Länder wächst Polen auch in der Krise und gilt als Tor nach Osteuropa. Zwischen 2003 und 2011 verzeichnete Polen ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent. 2012 sollen es immerhin 2,5 Prozent sein. Vor allem die Informations- und Kommunikationsbranche in Polen wächst beachtlich. Derzeit ist sie rund 22 Milliarden Euro schwer. Nicht viel im Vergleich zu Deutschland, aber: "Wir haben einiges nachzuholen", sagte Dr. Jacek Robak, Gesandter für Handel und Investitionen der polnischen Botschaft in Berlin, auf der Hauptpressekonferenz zur CeBIT. So legt die polnische ITK-Branche mit zwölf Prozent jährlich um einiges schneller zu als die Gesamtwirtschaft. Die Zahl der Internetanschlüsse und mobiler Datenverbindungen zum Beispiel entwickelt sich rasant. Auch der Internethandel verzeichnet starkes Wachstum: 2012 legte er um insgesamt 25 Prozent zu, die Käufe per Smartphone haben sich im vergangenen Jahr gar versiebenfacht. Technisch weiter entwickelt als hierzulande ist im Nachbarland das Bezahlen mit mobilen Geräten per Funk.
Auch die Forschungslandschaft kann sich sehen lassen. Von Google über IBM bis Oracle und SAP haben die internationalen Größen der Branche rund 80 Forschungs- und Entwicklungszentren aufgebaut.
Auf der CeBIT werden rund 200 Aussteller aus Polen vertreten sein. Daneben werden zahlreiche Expertenforen und andere Veranstaltungen Gelegenheit geben, miteinander in Kontakt zu kommen. Den Auftakt bildet der Deutsch-Polnische ITK-Gipfel am 5. März, zu dem zahlreiche hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft beider Länder anreisen werden.
Abseits von Trendthemen werden auch auf der CeBIT 2013 hippe Loungen zu finden sein, in denen es um weniger ernste Dinge geht. Und vielleicht will mancher IT-Verantwortliche zwischen Cloud Computing, Big Data und Geschäftsabschlüssen einfach mal beim Spielen entspannen.
Dirk Schäfer

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