08.11.2012

Energie

Blitzschnell auf Stromausfall reagieren

Hurrikan "Sandy" hat jüngst gezeigt, welche Auswirkungen ein Stromausfall in großen Gebieten haben kann. Neben zahlreichen Unannehmlichkeiten für die Bevölkerung richtet ein Stromausfall auch erheblichen wirtschaftlichen Schaden an.

Nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens sind von Strom abhängig. Bei einem Ausfall sitzt man nicht nur im Dunkeln, auch der öffentliche Verkehr ist lahmgelegt und Krankenhäuser funktionieren nur eingeschränkt.

Um einen länger anhaltenden Ausfall der Versorgung künftig zu vermeiden, müssen Energieversorger, Behörden und Rettungskräfte bei Stromausfällen schnell und koordiniert zusammenarbeiten. Forscher des Fraunhofer Instituts haben eine neue Planungssoftware entwickelt, mit der sich alle Beteiligten besser auf den Ernstfall vorbereiten können.

Schaden in Millionenhöhe

Nicht nur in hurrikangefährdeten Gebieten wie in den USA, auch in Deutschland ist die Gefahr eines größeren Stromausfalls durchaus gegeben. Als etwa 2005 im Münsterländer Schneechaos reihenweise Hochspannungsmasten umknickten, waren 250.000 Menschen teilweise bis zu fünf Tage ohne Strom. Der wirtschaftliche Schaden belief sich auf über 100 Millionen Euro.

Im Ernstfall muss es schnell gehen, Energieversorger, Behörden und Einsatzkräfte sind mit einer Vielzahl von Aufgaben konfrontiert: Wer ist am intensivsten betroffen, wo besteht der größte Handlungsbedarf, wie lange reicht der Notstrom aus, wer übernimmt welche Fahrten, wie lange reicht der Treibstoff? Nur ein Bruchteil der Fragen, auf die rasch Antworten gefunden werden müssen. "Um die Dauer des Crashs zu minimieren, müssen Einsatzleiter bei Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten wie Prozessmanager agieren", so Prof. Dr. Thomas Rose, Leiter des Forschungsbereichs Risikomanagement und Entscheidungsunterstützung am Fraunhofer-Institut in Sankt Augustin.

Checklisten sollen helfen

Während Prozessmanager in Unternehmen jedoch auf spezialisierte Softwaretools zurückgreifen können, steht den Einsatzkräften kein modernes IT-gestütztes Prozessmanagement für Krisenfälle zur Verfügung. "Die aktuell erhältlichen Lösungen für Industrie und Wirtschaft sind zu komplex und passen nicht zu den speziellen Anforderungen von Polizei, Feuerwehr & Co. Und auch Programme wie Excel stoßen bei großen, sich ständig ändernden Datenmengen schnell an ihre Grenzen. Unsere IT-Sicherheitsplattform stößt genau in diese Lücke", erklärt Rose.

Die Software vom FIT gibt Energieversorgern, Behörden und Einsatzkräften bundesweit die Möglichkeit, sich bereits im Vorfeld – also noch bevor der Strom ausfällt – optimal auf die gemeinsame Zusammenarbeit in Krisenfällen vorzubereiten. Kernstück, der im Forschungsprojekt InfoStrom entwickelten IT-Lösung, sind rollenbasierte Checklisten. Diese enthalten nicht nur detaillierte Handlungsanweisungen über das, was die eigene Stelle zu tun hat, sondern auch darüber, welche Punkte mit anderen Stellen abgestimmt werden müssen.

Informationen weitergeben

Zum Beispiel weiß das Technische Hilfswerk dadurch genau, wie viele Fahrzeuge die örtliche Feuerwehr plant einzusetzen. "Checklisten eignen sich für das Krisenmanagement am besten. Sie standen bisher aber lediglich auf Papier zur Verfügung. Auch der organisationsübergreifende Ansatz fehlte. Zusätzlich haben wir ein Glossar integriert. Denn die unterschiedlichen Einsatzkräfte nutzen meist unterschiedliche Begrifflichkeiten", so Rose. Die Einsatzfähigkeit der Software wurde im städtisch geprägten Rhein-Erft-Kreis und im ländlichen Kreis Siegen-Wittgenstein erfolgreich evaluiert. (al)

www.fraunhofer.de



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