16.04.2012

Work-Life-Balance

Ganztagsbetreuung nützt Kind und Karriere

Länder wie Frankreich und Schweden machen es vor: Eine gut ausgebaute Ganztagsbetreuung entlastet die Alleinerziehenden und fördert die Kinder. Auch Staat und Wirtschaft profitieren davon, wenn Elternteile Beruf und Familie besser vereinbaren können. Wir verraten, wie auch Mittelstandsmanager Kind und Karriere besser in Einklang bringen könnten -- und welche Aufgabe dabei dem Chef zufällt.

Die Ein-Eltern-Familie ist jedoch auf dem Vormarsch. Etwa 1,6 Millionen Frauen oder Männer, also gut ein Fünftel lebt in Deutschland allein mit ihren minderjährigen Kindern – wobei in neun von zehn Fällen die Mütter die Verantwortung stemmen. Das zeigen Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Alleinerziehende stehen vor besonderen Herausforderungen. Viele springen permanent zwischen Kindererziehung, Haushalt und Arbeit hin und her. So arbeiten fast 60 Prozent der alleinerziehenden Mütter, 42 Prozent davon in Vollzeit. Allerdings spielt das Alter der Kinder eine große Rolle, denn je älter der Nachwuchs, desto mehr und länger gehen Alleinerziehende arbeiten. Dabei würden viele Alleinerziehende gerne nicht nur früher in den Job einsteigen, sondern ihm auch mehr Zeit widmen, wenn es eine entsprechende Betreuung für die Kinder gäbe.

Weniger Armut

Auch das Familieneinkommen steigt durch die Ganztagsangebote. Die Analyse von Erwerbsbeteiligung, Einkommenschancen und Armutsrisiken zeigt, dass Alleinerziehende im Schnitt niedrigere Einkommen erwirtschaften und häufiger auf Transferzahlungen angewiesen sind. Ein Grund dafür ist, dass ein mangelnder Zugang zu ausreichender Kinderbetreuung den Alleinerziehenden den Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert. Auch für Alleinerziehende gilt, dass mit steigendem Erwerbsumfang das Armutsrisiko rapide sinkt: Bei Arbeitslosigkeit beträgt die Armutsgefährdungsquote 55,8 Prozent, bei Teilzeiterwerbstätigkeit 19,6 Prozent, bei Vollzeitarbeit sind sogar nur fünf Prozent.

Doch nicht nur die Eltern profitieren von der Ganztagsbetreuung: Ein Kindergartenbesuch hat erhebliche positive Effekte auf die Kompetenzentwicklung der Kinder. Für Kinder generell und für Kinder von Alleinerziehenden im Besonderen gilt, dass sich Schulleistungen systematisch durch einen Besuch einer Einrichtung verbessern lassen. So steigt durch einen Besuch der Kindertagesstätte für mehr als ein Jahr das Kompetenzniveau der Kinder deutlich an.

Investition lohnt sich

Ein flächendeckendes Ganztags­angebot für den Nachwuchs Alleinerziehender kostet die öffentliche Hand zusätzlich 2,4 Milliarden Euro jährlich. Das ist viel Geld. Dennoch zahlt sich die Investition in die Ganztagsbetreuung langfristig aus. Denn durch den besseren Arbeitsmarktzugang von Alleinerziehenden ergäben sich zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro jährlich. Aufgrund der verstärkten Erwerbsbeteiligung der Alleinerziehenden würden die an sie gezahlten Sozialleistungen sinken – pro Jahr könnten dadurch 440 Millionen Euro gespart werden. Da die frühkindliche Förderung langfristig bessere Bildungslaufbahnen ermöglicht, müssten weniger Jugendliche teure Qualifizierungsprogramme durchlaufen. Ab 2020 ließen sich dadurch 300 Millionen Euro jährlich sparen.

Unterm Strich rechnet sich somit der Ausbau der Kinderbetreuung, da die kumulierten Mehrausgaben einer flächendeckenden Ganztagsbetreuung für Kinder von Alleinerziehenden voraussichtlich zwischen 2030 und 2035 durch die bis dahin aufgelaufenen zusätzlichen Steuereinnahmen bzw. niedrigeren Sozial- und Qualifizierungsausgaben gedeckt werden. (al)

www.iwkoeln.de

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