09.11.2012

Innovationsförderung

Staatliche Hilfe erfordert Flexibilität

Mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken, steckt die Europäische Union jedes Jahr viel Geld in die Forschung und Entwicklung (FuE) und Innovationsprojekte von Unternehmen. Doch wie effektiv ist diese Förderung?

Ein strenges Bewerbungs- und Auswahlverfahren sorgt dafür, dass lediglich eine recht kleine Anzahl von FuE-Vorhaben gefördert wird. Das macht das jetzige Fördermodell der staatlichen Programme zu starr und unflexibel, sagen die Macher einer Studie, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gemeinsam mit der Warwick Business School durchgeführt haben.

Um das Förderspektrum zu erweitern, sollte eine Vielzahl von Projekten gefördert werden, urteilen die Experten. Gleichzeitig sollten diese Projekte aber bei Erreichen vorab festgelegter Teilschritte evaluiert werden, um zu prüfen, ob sie die weitere staatliche Unterstützung verdienen. Bleibt der Erfolg eines Projektes aus, sollte die staatliche Förderung eingestellt werden. Dies wäre ein klarer Bruch mit der derzeit gängigen Förderpraxis, wonach ein einmal bewilligtes Projekt über seine ganze Laufzeit hinweg mit der dafür angesetzten Fördersumme finanziert wird, und ein Abbruch so gut wie nie erfolgt.

Gelder an Erfolg koppeln

Die dritte Komponente einer Flexibilisierung schließlich wäre die stufenweise Freigabe der Fördergelder anstelle einer Einmalzahlung. Eine solche sequentielle Vergabe von Fördermitteln hätte den Vorteil, dass durch die vorzeitige Einstellung wenig erfolgreicher Projekte frei werdende Gelder zusätzlich auf die Erfolg versprechenden Projekte konzentriert werden könnten. Die Erhöhung der Anzahl geförderter Projekte in der Anfangsphase hätte bei gleich bleibendem Fördervolumen somit zwar eine geringere finanzielle Ausstattung der Einzelprojekte zur Folge, nach Abbruch erfolgloser Projekte könnte die Mittelausstattung der verbleibenden Projekt aber deutlich erhöht werden.

Die Flexibilisierungsvorschläge der ZEW-Studie für die staatliche Projektförderung beruhen auf Daten aus mehr als 1.400 Unternehmen, die im Zeitraum von 2007 bis 2009 Produktinnovationen hervorgebracht haben. Diese setzen die flexible Projektförderung schon seit Langem ein, um eine möglichst effektive und erfolgreiche Umsetzung von FuE-Erkenntnissen in innovative Produkte sicher zu stellen. An diesen positiven Erfahrungen der Unternehmen sollte sich auch die staatliche Förderung orientieren.

Mittel effektiver nutzen

So hatten sich in der Lissabon-Strategie die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union im Jahr 2000 darauf geeinigt, bis 2010 drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung aufzuwenden und auf diese Weise Europa zur wettbewerbsfähigsten, wissensbasierten Region weltweit zu machen. Mit der Strategie "Europa 2020" hoben die EU-Staaten noch einmal die Bedeutung von FuE und Innovation für das Wachstum in Europa hervor. Bei all diesen Bekundungen ist es allerdings wichtig, im Auge zu behalten, dass es nicht nur um die quantitative Steigerung der FuE-Ausgaben gehen darf, sondern dass auch ein möglichst effektiver Einsatz dieser Mittel angestrebt werden muss.

Doch genau an diesem Punkt sind Zweifel angebracht, denn die Zuschussvergabe erfolgt derzeit in der Regel eher unflexibel. Die Fördersumme für die gesamte Projektlaufzeit liegt bereits zu Beginn des Projekts fest und erfolglose FuE-Projekte wurden nur äußerst selten abgebrochen. Hier, so die Erkenntnisse der ZEW-Studie, könnte eine stärkere Orientierung an der Umsetzung von Innovationsprojekten in Unternehmen hilfreich sein. (al)

www.zew.de



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