Montagmorgen halb zehn in Dresden: Tischlermeister Reinhard Wunder kann sich nur eine kurze Verschnaufpause leisten. -- Gleich muss er zum nächsten Kundentermin. -- Die Geschäfte seiner Innenausbaufirma laufen gut - im Jahr eins nach der Wirtschaftskrise.
01.04.2010
Mit seiner Einschätzung steht Handwerksmeister Wunder nicht allein da. Viele seiner Kollegen in ganz Deutschland sehen die Lage ähnlich: Die konjunkturelle Talfahrt im Handwerk ist gestoppt. Nach dem Einbruch im vergangenen Jahr haben sich die Einschätzungen zur Geschäftslage im Frühjahr 2010 in den Handwerksbetrieben verbessert. Auch die harten Konjunkturindikatoren zur Umsatz- und Personalentwicklung haben sich im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht, was die Stabilisierungstendenzen im Handwerk unterstreicht. Zudem blickt das deutsche Handwerk zuversichtlich in die Zukunft: Die Erwartungen für die zukünftige Umsatz-, Ertrags-, und Personallage zeigen nach oben. Das ergab die von Creditreform im Februar 2010 durchgeführte Umfrage unter rund 3.000 Handwerksbetrieben.
So berichten 35,4 Prozent der befragten Handwerker von einer guten Geschäftslage - das sind 3,8 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr (31,6 Prozent). Und: Der Anteil der Betriebe, die ihre Lage mit schlechten Noten beurteilen, ist von 14,1 Prozent im Vorjahr auf 9,6 Prozent gesunken.
Nahezu unverändert geblieben ist die Einschätzung einer befriedigenden oder ausreichenden Geschäftslage (54,1 Prozent; Vorjahr: 53,6 Prozent). Damit liegt der Saldo aus guten und schlechten Bewertungen mit 25,8 Prozentpunkten 8,3 Zähler höher als vor einem Jahr (17,5 Prozentpunkte). Im Branchenvergleich erzielt der Geschäftsklima-Saldo im Ausbauhandwerk den besten Wert (33,5 Prozentpunkte). Am schlechtesten ist die Stimmung unter den Betrieben des Kfz-Handwerks (Geschäftsklima-Saldo: 12,2 Prozentpunkte).
An Personal festhalten
Die verbesserte wirtschaftliche Lage des Handwerks lässt sich auch anhand der Umsatz- oder Beschäftigtenentwicklung belegen. Kräftige Zuwächse haben aber noch Seltenheitswert. Immerhin ist innerhalb des vergangenen Jahres der Umsatz bei jedem fünften Handwerksunternehmen in Deutschland gestiegen (21,2 Prozent; Vorjahr: 20,6 Prozent). Die Zahl der Betriebe mit Umsatzeinbußen hat sich um 2,8 Prozentpunkte leicht verringert (2010: 30,7 Prozent; 2009: 33,5 Prozent). Damit notiert der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Umsätzen mit minus 9,5 Prozentpunkten zwar erneut im negativen Bereich, allerdings fällt das Minus um 3,4 Zähler geringer aus als im Vorjahr (minus 12,9 Prozentpunkte).
Ausbauhandwerker wie die Tischlerei Wunder aus Dresden zeigen aufgrund der guten Geschäftslage auch eine robuste Beschäftigungsnachfrage. Per Saldo nahm die Beschäftigung in der Handwerksgruppe Ausbau sogar zu (Saldo: plus 5,5 Prozentpunkte). Anders dagegen im Nahrungsmittelhandwerk: In diesem Handwerksbereich überwiegt die Zahl der Betriebe, die Entlassungen vornehmen mussten (Beschäftigungssaldo: minus 18,8 Prozentpunkte). Insgesamt haben die deutschen Handwerksfirmen ihre Beschäftigung leicht abgebaut. Jeder fünfte Betrieb (18,7 Prozent) hat im vergangenen halben Jahr neue Arbeitskräfte eingestellt - im Jahr zuvor waren es 18,3 Prozent. Von Entlassungen berichten 21,1 Prozent der Handwerksbetriebe (2009: 22,7 Prozent).
Investitionsbereitschaft nimmt zu
Das Handwerk dürfte 2010 eine stabilisierende Wirkung für den hiesigen Arbeitsmarkt haben. Immerhin planen fast drei Viertel der befragten Handwerksbetriebe (72,8 Prozent), ihren Personalbestand in diesem Jahr unverändert zu lassen. Im Vergleich zu 2009 (69,1 Prozent) entspricht das einer leichten Verbesserung um 3,7 Prozentpunkte. Neueinstellungen sehen 11,6 Prozent der Betriebe vor (Vorjahr: 9,5 Prozent). 15 Prozent rechnen damit, in diesem Jahr Entlassungen vornehmen zu müssen - 2009 gab das noch jeder Fünfte an (20,4 Prozent).
Auch an der gestiegenen Investitionsbereitschaft lassen sich die verbesserten Konjunkturperspektiven ablesen: Jeder zweite Handwerksbetrieb (50,3 Prozent) möchte in diesem Jahr Investitionen durchführen. Das sind 2,1 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Bei einem Vergleich der verschiedenen Wirtschaftsbereiche im Handwerk geben sich die Betriebe aus dem Nahrungsmittelhandwerk mit durchschnittlich 66,9 Prozent am investitionsfreudigsten. Zurückhaltender über zukünftig geplante Investitionsausgaben sind die personenbezogenen Dienstleister mit durchschnittlich 42,4 Prozent.
Bau vorsichtig optimistisch
Zeigen die Einschätzung zur Geschäftslage sowie die Umsatz- und Beschäftigtenentwicklung eine Stabilisierung der konjunkturellen Lage des deutschen Handwerks, so deuten die gestiegenen Erwartungen sogar eine konjunkturelle Erholung an. Immerhin 21,6 Prozent der befragten Handwerksbetriebe rechnen mit steigenden Umsätzen. Im Vergleich zum Vorjahr (14,5 Prozent) sind das 7,1 Zähler mehr.
Sinkende Umsätze befürchten nur noch 21,9 Prozent. Im Frühjahr 2009 war dies noch bei 37,4 Prozent der befragten Handwerksbetriebe der Fall. Der Saldo aus erwarteten gestiegenen und gesunkenen Umsätzen ist mit minus 0,3 Prozentpunkten nahe dem positiven Bereich. Im Vergleich zum Vorjahr (minus 22,9 Prozent) eine Verbesserung um deutliche 22,6 Zähler.
Allerdings fallen die Umsatzerwartungen nicht in allen Bereichen positiv aus. Während sich Nahrungsmittelhandwerk (plus 9,4 Prozentpunkte), personenbezogene Dienstleistungen (plus 10,6 Prozentpunkte) und Metallhandwerk (plus 8,8 Prozentpunkte) ausgesprochen optimistisch zeigen und das Ausbauhandwerk noch auf einen knappen positiven Saldo von 4,0 Prozentpunkten kommt, fallen die Perspektiven im Bau- und Kfz-Handwerk (minus 3,2 bzw. minus 36,2 Prozentpunkte) doch sehr zurückhaltend aus.
In diesem Punkt zeigen sich auch beim sächsischen Handwerksmeister Reinhard Wunder Sorgenfalten auf der Stirn: Wenn das Geld aus den Konjunkturpaketen Ende des Jahres aufgebraucht und verbaut ist, dürften neue Aufträge rar gesät sein. Denn bislang kommt aus dem privaten Bau einfach zu wenig. Sein Wunsch deshalb: Das Konjunkturpaket II für die Sanierung von Schulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen über das Jahr 2010 hinaus zu verlängern.
Aufgrund des langen Winters haben sich gerade im Innenausbau schon Verzögerungen von vier Monaten angestaut.
Zu tun gibt es für die Dresdner Firma also noch reichlich.