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Handel & Einkauf
2010
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Flexibilität ist Trumpf
Flexibilität ist Trumpf
Wie Büromöbelhersteller auf neue Marktimpulse und die jüngsten Trends in der Büroarbeit reagieren - und was Sie davon haben.
05.05.2010
Längst nicht jeder Trend ist auch logisch, auch in Büros nicht: Da kommt doch tatsächlich wieder die gute alte Schreibtischlampe in Mode - und das, obwohl die heutigen leistungsstarken und reflexionsarmen Deckenbeleuchtungen doch eigentlich optimale Lichtverhältnisse garantieren. Voll im Trend sind beispielsweise formschöne Standardleuchten, die es schon für 100 Euro gibt, aber auch exklusive Designerkreationen, etwa von F. A. Porsche. Die "Porsche Pan P7111", eine dimmbare LED-Tischleuchte mit "schnittigem Chassis", kostet bei Topdeq in Pfungstadt, Spezialist für Büromöbel und Accessoires, gerade mal 1.519 Euro.
Über die Gründe dieses Nachfragetrends sind sich Experten uneins: Von "strahlender Blickfang" über "Rückbesinnung auf alte Zeiten" bis hin zu "Aufzeigen einer persönlichen Note" reichen ihre Vermutungen. Rational begründbar ist dagegen der schmerzhafte Umsatzrückgang im Geschäft mit Büromöbeln: "Die deutschen Büromöbelhersteller schlossen das Jahr 2009 mit einem überraschend starken Umsatzrückgang von 23 Prozent zum Vorjahr ab", berichtet Hendrik Hund, Vorsitzender des Verbands Büro-, Sitz- und Objektmöbel (bso). Alle Möbelsparten waren etwa gleich stark betroffen. Die Umsätze mit Bürositzmöbeln sanken um 22,7 Prozent, Schreibtische und Schränke verloren gar 23,4 Prozent. Maßgeblich hierfür ist die Wirtschaftskrise, die eine sehr gute Aufwärtsentwicklung jäh stoppte. Zwischen 2004 und 2008 florierte das Geschäft, die Büromöbelbranche legte um satte 16 Prozent zu, so ein Branchenreport der Kölner Unternehmensberatung BBE Retail Experts. Der Einbruch forderte Opfer, darunter Samas. Der Büromöbel-Markenhersteller mit Traditionsmarken wie Martin Stoll, Drabert und Fortschritt musste wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden.
Signalwirkung Orgatec
Inzwischen sind die Vorzeichen für die Branche wieder günstiger. Denn die allmähliche Erholung der Gesamtwirtschaft dürfte sich auch in Sachen Büroausstattung positiv auswirken. Dazu kommt, dass durch die krisenbedingte Kaufzurückhaltung ein Nachfragestau entstanden ist, den es aufzulösen gilt. Zusätzliche Impulse erwarten die Möbelproduzenten von der internationalen Büroeinrichtungsmesse Orgatec, die vom 26. bis 30. Oktober in Köln stattfindet: "Die deutschen Büromöbelhersteller haben trotz der starken Umsatzverluste viele interessante Produkte auf den Markt gebracht, die in Köln ein breites Publikum ansprechen werden", ist sich bso-Geschäftsführer Thomas Jünger sicher. "Moderne Einrichtungs- und Raumplanungslösungen reichen vom funktionalen Kompaktbüro bis zum anspruchsvollen Büroeinrichtungssystem mit technisch funktionalen Detaillösungen für den Medieneinsatz", nennt Dirk Lessing, Geschäftsführer von SSI Schäfer-Shop, ein Beispiel. Mit "Medieneinsatz" meint er etwa integrierte Kabelführung, versenkbare Steckdosen oder USB-Anschlüsse.
Die von Lessing angedeutete "Vielfalt" ist aus den Programmen der Anbieter bereits jetzt ersichtlich: So bietet beispielsweise Topdeq über 230 unterschiedliche Bürostühle und Tischvarianten an. Allein bei den Bürodrehstühlen gibt es 84, bei den Konferenzstühlen 68 und bei den Besucherstühlen 38 verschiedene Ausführungen. Neben individuellen Designlösungen basieren diese unter anderem auf Veränderungen bei Polster, Armlehnen, Körpergewichtseinstellung und Bodenrollen. Bei den Tischen ist hauptsächlich zwischen Schreib-, Beistell-, Besprechungs- und Konferenztisch zu unterscheiden. Zu den Schreibtischen gehören auch Winkelkombinationen und Stehpulte. Hinsichtlich des Messeerfolgs hat Jünger die Erkenntnis: "In der Vergangenheit hat sich stets gezeigt, dass die Orgatec eine gute Plattform ist, um neue Einrichtungskonzepte und Produktinnovationen gebündelt zu präsentieren und somit auch die mittelständisch strukturierte Büroeinrichtungsbranche stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken."
Die Erwartungen an Markt und Messe scheinen sich zu erfüllen: "Über die Anzahl und das Volumen der Anfragen und Ausschreibungen können wir derzeit nicht klagen", stellt der bso-Vorsitzende Hund bereits heute erfreut fest. Allerdings: "Die Entscheidungsprozesse dauern immer noch deutlich länger als in gesamtwirtschaftlich gesünderen Zeiten."
Veränderte Abläufe im Büro
Eine Erkenntnis jedoch immer mehr durch: Moderne Büromöbel sind vielseitig nutzbringend und kostensparend - vor allem in einer sich verändernden Bürolandschaft. Einer der wichtigsten Trends ist nach wie vor das Desk Sharing, bei dem sich mehrere Mitarbeiter einen Schreibtisch teilen.
Schließlich benötigen Beschäftigte mit Außendienstaufgaben, Mitglieder von Projektteams oder auch Büroteilzeitarbeiter nicht durchweg einen Schreibtisch, sondern nur zeitweise.
Und natürlich führt Desk Sharing auch zu Veränderungen bei der Büromöbelnachfrage. So sind eher Schreibtische ohne Schubladenteil sowie keine großen Schränke oder Schrankwände erwünscht. Auf der Wunschliste stehen stattdessen Rollcontainer. Für jeden Schreibtischmitbenutzer empfiehlt sich ein eigener Container oder Bürowürfel, in dem jeweils die persönlichen Arbeitsunterlagen untergebracht sind. Ein zweiter Trend bezieht sich auf die flexible Büroraumnutzung, schließlich muss ein Büroraum samt Einrichtung heute unterschiedlichste Anforderungen erfüllen. Bei Bedarf sollte die schnelle Umgestaltung von Arbeitsplatzanordnungen möglich sein, was etwa für die Bildung von Projektteams und das Zusammenarbeiten der Teammitglieder in einem Raum wichtig ist. Darüber hinaus ist die problemlose Umwandlung des Büros in einen Besprechungs-, Konferenz-, Präsentations- oder Seminarraum gefragt.
Gerd Zimmermann
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