Wer erinnert sich angesichts heutiger Finanzierungsprobleme nicht gern an die Zeit vor 2007 zurück? Als von Finanzkrise noch nicht die Rede war und exotische Finanzierungsinstrumente selbst bonitätsschwächeren Unternehmen frisches Geld in die Kassen spülten.
Die Aufbruchsstimmung von gestern könnte sich morgen rächen: Wer sich zwischen 2004 und 2007 mit standardisiertem Mezzanine-Kapital eingedeckt hat - etwa weil er diese Mischform aus Eigen- und Fremdkapital in seiner Bilanz als Eigenkapital verbuchen wollte - dem steht von 2011 an, nach sieben Jahren Laufzeit, auf einen Schlag die Rückzahlung ins Haus. Sicherlich kein einfaches Unterfangen in dieser kreditklammen Zeit - zumal es nun, im Jahre drei der Finanzkrise, am Markt keine standardisierten Angebote mehr gibt, mit denen er sein altes Mezzanine-Programm ablösen könnte.
Zwar ließe sich, so hören wir von den Banken, bei vielen Kunden etwa die Hälfte des ursprünglichen Volumens durch eine individuelle Lösung refinanzieren. Doch der Prüfungsprozess auf dem Weg dorthin gilt als kompliziert. Und: Er verursacht schnell weitere Kosten, etwa für Gutachten und Berater.
"Dass sich die Unternehmer kritische Fragen zu ihren persönlichen Ansichten, Planungen und Entscheidungen gefallen lassen und diese Ausforscherei auch noch im Gegenwert eines Mittelklassewagens bezahlen sollen, hat viele bislang abgeschreckt", weiß auch Olivier Weddrien, Geschäftsführer von DZ Equity Partner und damit einer der möglichen Investoren. Mittelständische Führungskultur und zahlenfixierte Finanzwelt prallen eben schnell unangenehm aufeinander.
Ab Seite 26 in dieser Ausgabe gibt der DZ-Experte daher Tipps, wie sich die Due Diligence vor einer individuellen Mezzanine-Finanzierung möglichst schmerzfrei über die Bühne bringen lässt. Eines aber sollte dem Kunden bewusst sein: Konditionen zwischen jährlich sechs bis zehn Prozent, mit denen Programme wie "Preps" oder "H.E.A.T" einst extrem wirtschaftliches Eigenkapital bereitstellten, gehören ebenfalls der Vergangenheit an.
Kein Wunder, dass viele Unternehmer da lieber ein weiteres Mal ihre eigene Innenfinanzierung unter die Lupe nehmen, bevor sie externe Kapitalgeber ansprechen. Welche Stellschrauben hierfür zur Verfügung stehen, verrät unsere Geschichte ab Seite 18. Und auch darüber hinaus möchten wir Ihnen mit unserem Finanzierungsspecial ab Seite 16 wieder die eine oder andere Anregung geben, wie Sie die Liquidität Ihres Betriebs krisengerecht weiter optimieren können. Damit Sie auch in schwierigen Zeiten stets die richtige (Anschluss-)Finanzierung finden.
Ingo Schenk
Verantwortlicher Redakteur