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Startseite Channels Marketing & Kundenbindung 2009 9 Marketinginstrument zum Schnäppchenpreis

Marketinginstrument zum Schnäppchenpreis



Dr. -- Oliver Mauss, Vorstand Hosting der 1&1 Internet AG, über den Wert der eigenen Firmenhomepage gerade in Krisenzeiten, die neuesten Angebote aus der Server-Wolke und die Sicherheitsvorkehrungen seines Hauses gegen Cyberkriminelle.

01.09.2009

Dr. Mauss, die Wirtschaftskrise lässt auch die ITK-Branche nicht ungeschoren: Der Branchenverband BITKOM hat seine Umsatzprognosen gesenkt, das Preisniveau für IT-Dienstleistungen ist auf dem Rückzug. Spüren Sie die Krise auch?
Nein, wir sehen aktuell keine Veränderungen und auch im Ausland keine wesentlichen Unterschiede. Das liegt sicher auch daran, dass Internet für Firmen wie Privatanwender mittlerweile zur Grundversorgung gehört - nicht viel anders als Wasser oder Strom. Wenn überhaupt, dürften wir mit unserem Hosting-Geschäft eher zu den Profiteuren der Finanzkrise zählen. Denn zum einen ist der eigene Internetauftritt samt möglicher Begleitmaßnahmen wie Suchmaschinenoptimierung im Vergleich zur klassischen Werbung derzeit geradezu zum Schnäppchenpreis zu haben. Und zum anderen profitieren wir von der kurzfristig sinkenden Investitionsbereitschaft im Bereich Hard- und Software mit unseren Software-as-a-Service-Angeboten. Denn das Mieten einer gehosteten Software-Lösung kann für viele Anwendungen die günstigere Alternative sein. Unabhängig von der Finanzkrise fahren wir regelmäßig besondere Preiskampagnen. Jetzt im September etwa schaffen wir bei allen Hosting-Angeboten die Grenzen für das erlaubte Übertragungsvolumen ab.
Das klingt, als seien die Tage, als eine Firma beim Ho-sting-Provider einfach nur ein wenig Webspace mietete, längst vorbei. Wie kann ich mir Ihren typischen Firmenkunden denn überhaupt vorstellen?
Vergleichsweise klein - mit etwa fünf bis zehn Mitarbeitern. Und das klassische Hosting, das Sie ansprechen, ist sicherlich die älteste Säule von 1&1. Schließlich bieten wir Firmen schon seit 1998 Speicherplatz und die passenden Domains für ihren Internet-Auftritt an. Nahezu 80 Prozent unserer Hosting-Kunden sind heute Firmen oder Selbstständige, denen wir irgendwo zwischen die 20 und 30 Petabyte (ein Petabyte entspricht 1.000 Terabyte, Anmerkung der Redaktion) an Hosting-Platz zur Verfügung stellen von wegen "ein wenig". Mittlerweile gehört zum Hosting-Bereich aber noch viel mehr, da haben Sie Recht: Wir bieten komplette Lösungen für KMU - vom Online-Shop über professionelle E-Mail-Lösungen bis hin zum eigenen Server. Unser Ziel ist es, mit unseren Produkten die komplette digitale Wertschöpfungskette der mittelständischen Unternehmen abzubilden, von der Kundenschnittstelle bis hin zum Backoffice, vom Internetzugang und Telefonie über die Firmen-Homepage bis hin zu eigenen Servern, Kollaborationslösungen oder E-Commerce-Angeboten. Dies alles aus einer Hand bieten zu können, ist wohl auch einer der größten USPs von 1&1.
Der Wettbewerb in Ihrem Markt dürfte ja auch enorm sein. Wer sind denn Ihre wichtigsten Konkurrenten? Und ist der Markt nicht langsam gesättigt?
Der klassische Hosting-Markt ist in Deutschland wie im Ausland sehr zersplittert, mit vielen zum Teil sehr kleinen Anbietern. Unsere Marktforschung hat aber gezeigt, dass keineswegs jedes Unternehmen schon im Netz unterwegs ist. Bei Firmen mit bis zu 50 Mitarbeitern haben wir alleine in Deutschland ein Marktpotenzial von fast drei Millionen KMU ermittelt, die noch keinen Internetauftritt haben. Mit der neuen 1&1 Branchen-Homepage bieten wir daher individuelle Lösungen für mehr als 100 Branchen, vom Augenoptiker über den Bäcker bis zum Zahnarzt, bei denen sich mit wenigen Mausklicks ohne Programmierkenntnisse ein professioneller Internet-Auftritt erstellen lässt. Hier testen wir hier gerade auch völlig neue Vertriebswege. Die größten Herausforderungen warten aber in neuen Geschäftsbereichen wie Software as a Service, und zwar durch große Player aus den USA, die aus anderen Bereichen kommen - Unternehmen wie Microsoft oder Google. Beide übrigens Firmen, mit denen wir an anderer Stelle seit Jahren erfolgreich zusammenarbeiten.
Und diese neuen Angebote wie Software auf Abruf stammen aus der vielzitierten "Wolke"? So manchem unserer Leser ist nicht wohl dabei, dass seine sensiblen Unternehmensdaten außer Haus verarbeitet werden...
Beim Thema "Wolke" müssen wir zwischen Cloud Computing und Cloud Services unterscheiden: Wir sind heute ein führender Anbieter von Cloud Services, also Software-Lösungen und Dienstleistungen, die über das Internet bereitgestellt werden. Dazu gehören E-Shop-Angebote oder Kommunikationsdienste für Firmenkunden ebenso wie unser erfolgreicher Video-on-Demand-Service maxdome, der sich ja aber eher an private Nutzer richtet. Cloud-Computing hingegen beschreibt das Angebot von Rechenleistung, die Hardware-unabhängig skaliert werden kann. Diese werden wir sehr zielgerichtet anbieten. Einerseits bieten wir hier Dienste für kleine Geschäftskunden, die virtualisierte Server-Lösungen kaufen können. Andererseits werden wir unsere Rechenleistung auch Software-Anbietern zur Verfügung stellen, die ihre Lösungen gemeinsam mit uns vermarkten wollen. Hierzu entwickeln wir mit APS 2.0 gerade einen Standard.
Noch mal zum Thema Sicherheit...
Das ist natürlich essenziell für uns! Schließlich vertrauen uns unsere Kunden ihre persönlichen Daten an - hier wären Sicherheitslecks verheerend. In vier Abteilungen kümmern sich fast 50 Mitarbeiter um die verschiedenen Aspekte der IT-Sicherheit - von der Sicherung unserer eigenen Systeme vor Angriffen über die Spam-Bekämpfung bis hin zum klassischen Betrug. Dabei unterstützen wir auch unsere Kunden, wenn es etwa um virenverseuchte PCs oder die Bekämpfung von Bot-Netzen geht. Außerdem arbeiten wir eng mit Behörden wie dem BKA oder dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zusammen. Auch die erwähnten sensiblen Kundendaten dürften in unseren Rechenzentren sicherer sein als auf den meisten Firmen-PCs - denken Sie nur einmal an das Thema Backup. Und da wir mit ipayment ein von Visa und Mastercard zertifiziertes Zahlungssystem betreiben, schaut uns auch die Kreditkartenindustrie genau auf die Finger.
Und was versprechen Sie sich davon, dass Sie Ihren Strom seit zwei Jahren aus erneuerbaren Energiequellen beziehen? Ist das mehr als ein Image-Gag?
Das Thema "Green IT" ist etwas mit dem wir uns - zunächst eher unbewusst - schon seit vielen Jahren beschäftigen: In dem wir nämlich versuchen, möglichst wenig Strom zu verbrauchen. Bei 70.000 Servern ist "möglichst wenig" natürlich immer noch eine Menge, aber letztlich sparen wir mit jedem Watt Strom auch bares Geld. Das war uns aber nicht genug, und deshalb haben wir Ende 2007 den Entschluss gefasst, den Strom, den wir benötigen, CO2-neutral einzukaufen. Letztlich investieren wir damit in die Zukunft - indem wir für die Energieversorger schon heute in klares Zeichen setzen, dass die Nachfrage nach grünem Strom steigen wird. Und auch immer mehr Kunden legen Wert darauf, dass ihre Daten auf einem "grünen" Server liegen.
Das Gespräch führte Ingo Schenk


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