Eine Markteinschätzung vom Herausgeber der "Börsensignale"
01.04.2010
Ziemlich genau ein Jahr ist es nun her, dass die Hausse startete - und an dieser Stelle von uns selbst gegen die Meinung der meisten Experten prognostiziert wurde. In der April-Ausgabe 2009 war als Fazit zu lesen: "Noch müssen wir vorsichtig sein, denn eindeutige Kaufsignale von den Aktientrends her fehlen noch. Aber die positive Zinsstruktur und die mehrheitlich klare positive Tendenz bei den restlichen fünf Indikatoren ergeben eine Wahrscheinlichkeit von 2:1, dass die lange Aktienbaisse nunmehr beendet ist."
Man sollte meinen, diese frohe Botschaft wurde positiv aufgenommen. Aber das Gegenteil war der Fall. Zweifelnde Reaktionen wie die folgende Äußerung eines Lesers waren die Regel: "Ihre Prognose, dass wir Anfang März die Tiefstkurse sehr wahrscheinlich gesehen haben, liegt voll daneben. Zur Zeit erleben wir eine kleine Zwischenerholung, die in jedem selbst noch so steilem Abwärtstrend völlig normal ist. Diese Zwischenerholung wird aber sehr bald schon in noch tiefere Kurse als dem Jahrestief enden. Es stellt sich schon die Frage, wie ein angeblich so erfahrener Börsenprofi wie Sie ernsthaft verbreiten kann, wir hätten die Tiefstkurse wahrscheinlich gesehen. Das Gegenteil ist der Fall."
Nun sind wir ja alle keine Hellseher. Aber es lohnt sich schon, immer wieder auf Signale zu setzen, die sich bewährt haben. Das wird mit dieser Analyse versucht, und der Erfolg gibt uns Recht.
Schauen wir also in Ruhe weiter auf unsere Indikatoren. Bekanntlich sind dies:
a) die Zinsstruktur ("lange" minus "kurze" Zinsen) im gleitenden Durchschnitt,
b) das Trendsignal der Aktienindizes , repräsentiert durch den Nasdaq Composite, den Dow Jones Utility und den DAX sowie
c) die Signale der Mehrheit von fünf weiteren bewährten Indikatoren, und zwar Trend der Anleihezinsen, Trend des Ölpreises, Inflationstrend repräsentiert durch den Rohstoffindex CRB, Trend des US-Dollars, Saisonfaktor. Wie also wird es nun weitergehen?
Zinsstruktur: Positiv! Die Anleihezinsen liegen im gleitenden Durchschnitt weiterhin klar über den Geldmarktzinsen, mit noch immer steigender Tendenz (plus 2,14 Prozent). Eine neuerliche Rezession bleibt somit recht unwahrscheinlich.
Trendsignal: Positiv! Für ein Verkaufsignal nach dieser Methode wäre auch in der kommenden Woche ein 26-Wochen-Tief des Nasdaq von unter 2.045 Punkten nötig. Mitte März stand der Nasdaq bei 2.360.
Anleihezinsen: Positiv! Dieser Indikator dreht erst ins Minus, wenn die deutsche Umlaufrendite (Mitte März 2,79 Prozent) ein neues 39-Wochen-Hoch meldet. Bis Mitte April gilt dabei, dass sie dazu auf über 3,22 Prozent steigen muss.
Ölpreis: Negativ! Der Ölpreis (Mitte März 79 US-Dollar für Brent-Öl) bewegt sich seit einem Monat seitwärts, unser Signal bleibt negativ.
CRB-Index: Negativ! Der CRB-Rohstoff-Index liegt im Vorjahresvergleich um rund 27 Prozent höher, was zwar weiterhin mögliche Inflationsgefahren anzeigt. Jedoch sieht dies nicht allzu gefährlich aus; die Rohstoffpreise sind seit Jahresanfang ziemlich stabil.
US-Dollar: Positiv! Die Diskussion um den Euro war sehr irreführend. Nicht der Euro ist bedroht, wenn Griechenland oder ein anderer südeuropäischer Staat zahlungsunfähig wird. Gegenüber dem Dollar war der Euro mit Kursen über 1,40 US-Dollar deutlich überbewertet. Für die Weltwirtschaft ist aber ein fester Dollar wichtig. Der Euro-Rückgang ist daher zu begrüßen. Mitte März notierte er bei 1,37 US-Dollar, immer noch etwas zu hoch.
Ein höherer Euro-Kurs wäre ungünstig für den Aktienmarkt.
Saisonfaktor 16 Wochen: Positiv! Bis einschließlich Mai 2010 wird dieser Indikator im Plus stehen.
Fazit: Unsere Indikatoren geben weiterhin grünes Licht für Aktienkäufe. Wie es aussieht, wird der Anstieg offenbar noch eine ganze Weile weitergehen.
Uwe Lang