Eine Markteinschätzung vom Herausgeber der "Börsensignale"
05.05.2010
Die Aktienmärkte sind, wie an dieser Stelle prognostiziert, auch im vergangenen Monat weiter gestiegen. Schade ist nur, dass die Anleger so skeptisch sind und Aktien für eine sehr riskante Anlage halten. Dabei hatte man seit März 2009 die Chance, zu Traumkursen kaufen zu können. Zwar sind inzwischen die Aktienmärkte fundamental etwa fair bewertet, gemessen zum Beispiel am durchschnittlichen Kurs-Umsatz-Verhältnis. Aber die Tatsache, dass sich Großunternehmen momentan lieber am Kapitalmarkt Geld besorgen als durch eine Kapitalerhöhung, zeigt deutlich, dass viele Aktienkurse immer noch unterbewertet sind. Die Zinsen der Bundesanleihen können außerdem nicht einmal mehr mit den Dividendenrenditen von Standardaktien konkurrieren.
Zuletzt stand das Thema "Griechenland" im Mittelpunkt der Sorgen, und das führte auch zur Abschwächung des Euro. Dabei müsste man sich um den Euro gar keine Sorgen machen! Er ist ohnehin überbewertet, und sein Rückgang kommt unmittelbar den europäischen Exporten zugute.
Wie geht es nun weiter? Wie immer beachten wir dabei einfach unsere Indikatoren. Bekanntlich sind dies
a) die Zinsstruktur ("lange" minus "kurze" Zinsen) im gleitenden Durchschnitt,
b) das Trendsignal der Aktienindizes, repräsentiert durch den Nasdaq Composite, den Dow Jones Utility und den DAX sowie
c) die Signale der Mehrheit von fünf bewährten weiteren Indikatoren, und zwar Trend der Anleihezinsen, Trend des Ölpreises, Inflationstrend repräsentiert durch den Rohstoffindex CRB, Trend des US-Dollar und nicht zuletzt den Saisonfaktor. Wie also wird es nun weitergehen?
Zinsstruktur: Positiv! Die Anleihezinsen liegen im gleitenden Durchschnitt klar über den Geldmarktzinsen, mit weiterhin steigender Tendenz (plus 2,18 Prozent). Eine neuerliche Rezession bleibt somit recht unwahrscheinlich.
Trendsignal: Positiv! Für ein Verkaufsignal nach dieser Methode wäre ein 26-Wochen-Tief des Nasdaq von unter 2.112 Punkten nötig. Zum Vergleich: Bei Redaktionsschluss lag der Nasdaq Composite bei rund 2.500 Punkten.
Anleihezinsen: Positiv! Dieser Indikator dreht erst ins Minus, wenn die deutsche Umlaufrendite ein neues 39-Wochen-Hoch meldet. Dazu müsste sie auf über 3,15 Prozent steigen.
Ölpreis: Negativ! Der Ölpreis liegt höher als vor einem Monat, dieser Indikator bleibt im Minus.
CRB-Index: Negativ! Der CRB-Index, der die Rohstoffpreise repräsentiert, liegt im Vorjahresvergleich um rund 25 Prozent höher und signalisiert damit weiterhin Inflationsgefahren. Allerdings bewegt er sich seit Jahresanfang nur seitwärts; die Inflationsgefahr ist noch nicht akut.
US-Dollar/Euro: Positiv! Der Euro hat wegen der Griechenland-Krise zunächst etwas nachgegeben, sich aber bis Redaktionsschluss erholt. Wir achten ohnehin auf den Dollar. Der sollte stark bleiben, und das ist er momentan.
Saisonfaktor: Positiv! Bis Ende Mai wird dieser Indikator im Plus stehen. Danach wird er uns eine Sommerflaute signalisieren (durchschnittlich schwächste Periode der vergangenen zehn Jahre). In den letzten drei Jahren war jedoch von einer Sommerflaute keine Rede.
Fazit: Es hat sich nichts geändert: Alle drei Signale bleiben positiv. Es ist zu empfehlen, schwächere Börsentage weiterhin für Käufe zu nutzen.
Uwe Lang